Ich saß gerade im Flur in der Uni, wartete auf einen Professor. Da hörte ich aus einem Zimmer, dass vor 30 Minuten das Stadtarchiv eingestürzt sein soll, man wisse aber nichts weiter. Der Professor, mit dem ich dann sprach, war fassungslos. Keine zwei Stunden zuvor war er selber noch da gewesen. Doch seit gestern 14 Uhr gibt es das Historische Archiv der Stadt Köln nicht mehr.
 
Ich könnte nun viel über den U-Bahnbau schreiben, mich darüber wundern, wieso man die Warnzeichen nicht erkannt hat. Aber darüber, und die Schuldfrage, werden andere genug sprechen. Darüber wird er auch zu sprechen sein! Ebenso muss uns das Schicksal derer beschäftigen, die ihr Heim verloren haben, und damit wohl auch viele persönliche Dinge. Zur Stunde da ich dies schreibe, steht auch zu befürchten, dass Menschen mit ihrem Leben bezahlt haben könnten.
 
Ich wollte aber einen anderen, persönlicheren Zugang zum Thema wählen. Als Geschichtsstudent habe ich in den vergangenen Monaten so manche Stunden im Archiv verbracht. Ich konnte sogar einen Blick hinter die Kulissen werfen und mal in das Magazin schauen, wo tausende von Quellen, Büchern, Handschriften und Urkunde lagern. Vielmehr, lagerten. So konnte ich einen Blick auf die Urkunde der Stadt Köln werfen, mit den Siegeln der Gaffeln, oder auch eine Handschrift von Albertus Magnus. Mit so mancher Anekdote wurde klar, wie interessant die Arbeit im Archiv sein kann, vor allem aber, wie viel Spaß sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern macht.
 
Als ich an meiner Arbeit saß und im Lesesaal Akten durchforstete, wurde ich von den Mitarbeitern immer sehr freundlich empfangen und man zeigte sich immer sehr hilfsbereit. Man merkte, hier arbeiten Archivare, die nicht den Deckel auf die Kiste der Geschichte machen wollen, sondern die ihre Arbeit darin sehen, historische Dokumente für jeden Interessierten zugänglich zu machen, Fragen zu beantworten und der Neugier weiterzuhelfen. Ich weiß, dass ich bei weitem nicht der einzige bin, der den Mitarbeitern vor Ort sehr dankbar für die Unterstützung ist.
 
Da ich das Archiv nun etwas kannte und die Menschen vor Ort zu schätzen weiß, war ich fassungslos, als ich hörte was passiert war. Da war zunächst die Sorge um die Menschen, die sich dort aufhielten. Sie hatten alle Glück und kamen mit dem Schrecken davon. Zugleich liegt ihre Arbeit aber sprichwörtlich in Trümmern. Als jemand, der sich der historischen Wissenschaft berufsbedingt verbunden fühlt, bin ich fassungslos über den Verlust, den wir mit diesem Unglück erlitten haben. Menschliche Schicksale sind schon schlimm genug, aber der Schaden an kostbaren und unersetzbaren Dokumenten aus über 1000 Jahren Geschichte wird auch immens sein. Das Historische Archiv der Stadt Köln zählte zu den bedeutendsten in Europa, selbst internationale Forscher kamen nach Köln, um Einsicht in wertvolle Akten zu nehmen. Für die Menschen dort tut mir dies besonders weh. Ein (Über)Lebenswerk, von Generationen an Archivaren aufgebaut und durch Kriege und Katastrophen gerettet, liegt jetzt unter Bergen von Schutt. Eberhard Illner, der bis Herbst 2008 im Archiv Abteilungsleiter für Nachlässe, Sammlungen und Fotografie war, meint, der Schaden sei größer als beim Brand in der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar. "Wir reden hier von ungefähr 18 Regalkilometern wertvollstem Archivgut, und zwar europäischen Ranges. Das sehe ich jetzt vor mir unter Bergen von Beton und Bergen von Schutt. Das ist erschütternd.“
 
Keineswegs möchte ich menschliche Schicksal relativieren, aber wie schon gesagt, eine sehr eigene Sicht einbringen. Der kulturelle Verlust, der nie und nimmer zu beziffern sein wird, ist immens, und dahinter stehen auch Menschen, die sich gerne im Archiv und für das Archiv engagiert haben. Ein Archiv, das es so nun nicht mehr gibt.
 
Mir bleibt nur zu hoffen, dass man, bei allen Verlusten, derer es zu viele zu beklagen geben wird, dennoch viele Dokumente retten kann, vor allem jene, die es so kein zweites Mal auf der Welt gibt, und das dies dann der Grundstein für einen Neuanfang sein kann. Auf das es ein neues Archiv geben mag, in dem auch weiterhin engagierte Archivare ihre Tore für interessierte Laien und Profis öffnen und wir das historische Gut nutzen, aus dem wir alle lernen können. Denn dafür war es immer da, und wird es auch wieder sein!
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04.03.2009 | 15.24 Uhr | Roeschen Nachtrag:
 
Natürlich hat ein Feuerwehrmann, insbesondere natürlich auch der Leiter der Kölner Feuerwehr eine Ausbildung in der Bergung von Verschütteten, wieso denn nicht, das gehört zum Beruf und es wird, so wie ich weiß, ständig neu durchdacht und es werden ständig Seminare und Weiterbildungen diesbezüglich ausgeübt.
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04.03.2009 | 15.22 Uhr | Roeschen Danke für Deine Antwort, Chris, dennoch beantwortet sie nicht meine Frage:" Wieso behauptest Du, dass unprofessionel gearbeitet wurde? Was hat das damit zu tun, dass die medien uns verschweigen, dass weitere Hilfskräfte vom THW-Trupp einsatzbereit warten. Ich verstehe das nicht....
 
Lieben Gruß zurück
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04.03.2009 | 15.13 Uhr | Roeschen Hallo Uwe,
 
wenn nicht persönlich, würde mich doch eine Antwort interessieren, woher er seine Behauptung bzw. worauf er sie stützt. So was kann man doch nicht einfach in die Luft hinein sagen. Da haben die aber unprofessionell gearbeitet. Da muß man doch über einen Einblick verfügen, um so etwas behaupten zu können.
 
Ich kann das so nicht stehen lassen, dass man einfach Behauptungen aufstellt, wenn sie nicht belegt sind. Das erinnert mich so an bürgerliche, von außen betrachtete Besserwisserei, man hätte alles anders, besser machen müssen......Aber wie...und es ist immer einfach, nachher zu bekritisieren, als das Gute, das getan wurde, zu sehen.
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04.03.2009 | 14.59 Uhr | Holzauge Lieber odyssee, sowas ist bei U-Bahn, Bergbau, Tunnelgrabungen nicht nur in Köln passiert, die Fälle sind nur nicht so bewusst wahrgenommen oder wieder aus der Erinnerung geraten. Die Bewohner in den Untertage Bergbauregionen leben ständig auf einem Pulverfass. Dein unterschwelliger Fragegrund ist freilich verständlich.

Übrigens stimme ich Roeschen und Zabi pp. zu. Zunächst gilt auch meine Sorge und Entsetzen den unmittelbaren Opfern und ihren Angehörigen.

Wohl wahr Zabi, wieder wurde uns ach so klugen Menschen demonstriert, nicht wir beherrschen die Schöpfung, "Mutter Erde", sie gestattet, duldet oder verweigert unsere "Turmbauten zu Babel" nur.

Wieder einmal mehr erweist sich unser "Können", unsere "Intelligenz" als selbstherrlich arrogant hoffnungslos überzogen. Freilich werden im Nachhinein "statische Berechnungen" denn "menschliches Versagen" und "Fehleinschätzungen" ergeben, irgendwer wird "schuld" sein - und im übrigen weiter so Menschheit,

=>2
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04.03.2009 | 14.58 Uhr | Holzauge =>2
 
gerade so als sei "ausser etwas Schwund" (der "immer iss") nix gewesen.
 
Um noch etwas besser verstanden zu werden, z.B. ist "Tempo 300" auf unabgesperrten, öffentlich von Jedermann befahrbaren Bundesautobahnen "technisch sicher möglich"? Ja, ist es das wirklich, muss irgendein Mensch im allgemeinen Verkehr sich zu Lande oder zu Wasser mit einer derartigen faktisch unbeherrschbaren Geschwindigkeit überhaupt fortbewegen (lassen)??? Ich will jetzt nix dem hier "verblichenen" Userkollegen, es war nur das typische Beispiel von menschlicher Fehleinschätzung.
 
"Macht Euch die Erde untertan" ist biblisch beschriebener Auftrag, den kein anderer als John F. Kennendy bei Verabschiedung der ersten Mondastronauten am US Weltraumbahnhof erweiterte um "...und den Mond, den Himmel und die Sterne". Und was wurde aus der Erfüllung dieser selbst verordneten Okkupationsmission und ihrem Missionar? In Dallas war für ihn damit Schicht - durch banale menschliche Niedertracht!
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04.03.2009 | 14.42 Uhr | uwe_bgl Hallo Roeschen,
 
Chris meint das doch nicht persönlich !!!
 
Ich denke schon dass er nicht ganz Unrecht hat
 
Gruß
Uwe
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04.03.2009 | 13.54 Uhr | odyssee warum wundert es mich nicht, dass so was ausgerechnet in Köln passiert ?
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04.03.2009 | 13.41 Uhr | nöres Eines bleibt mir völlig unverständlich. Wieso hört man so gar nichts von den "warnenden Bauleuten"? Sie scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben. Wie feiern sonst doch sofort gleich jeden "Helden". Auch für die Presse scheint das völlig normal zu sein?
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04.03.2009 | 13.39 Uhr | Roeschen Hallo Chris,
 
darf ich freundlich fragen, warum Du die Behauptung aufstellst, dass die Hilfskräfte unprofessionell arbeiten? Also, ich kenne Herrn Neuhoff persönlich und ich weiß, dass er ein versierter, erfahrener Feuerwehrmann ist und seine Leitung stets mit Geist und Einsatzbereitschaft erfüllt und dass schon seit Jahren. Er hält sich ständig auf dem Laufenden über neue Erkenntnisse und technische Einsatzmöglichkeiten.
 
Bist Du dabei gewesen? Bist Du ein Fachmann?
 
fragt neugierig
 
Röschen
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04.03.2009 | 13.16 Uhr | Tiberius @ roeschen: Ganz recht, den vielen Helfern muss man danken. Das fängt bei den geistesgegenwärtigen Bauarbeitern an und geht über Feuerwehr und Polizei bis zu denen, die seit gestern Abend Akten retten. Zum Glück ist auf solche Helfer im Notfall noch Verlass.
 
@ leon blogiker: Sicher, es muss ein neues Archiv geben, aber auf Jahre wird kein richtiger Betrieb möglich sein. Zumal wir ja nicht wissen, was noch vorhanden sein wird...
Und Schuldfrage, ja. Die Staatsanwaltschaft ermittelt ja schon.
 
@ zabaione: Hier wurden uns durchaus Grenzen gezeigt. Und Schramma fragt sich ja auch schon, ob U-Bahnbauten solcher Art überhaupt noch durchführbar sind. Warten wir es ab...
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04.03.2009 | 12.30 Uhr | Zabaione ---------f--------------------
wohnen dort.
 
Mein Mitgefühl gilt jetzt den betroffen Menschen und meine Hoffnung das sich Unglück nachhaltig in das Bewusstsein der verantwortlichen Städteplaner eingräbt, mit unserer Mutter Erde sorgfältiger umzugehen.
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04.03.2009 | 12.29 Uhr | Zabaione Als ich gestern mit dem Auto unterwegs war hörte ich vom Einsturz des Stadtarchivs.
Irgendwann sah ich bei einem Kunden die ersten Bilder.
Apokalyptische Bilder die uns vor Augen halten das es in jeder Zeit Grenzen gibt.
 
Mutter Erde wehrt sich gegen die Eingriffe, sie lässt sich nicht berechnen. Seit je her zeigt sie uns Grenzen auf.
 
Wie mag das sein jetzt so unmittelbar am U-Bahnbau zu wohnen . Ein Anwohner der betreffenden Häuser hat die Arbeiten des U-Bahnbaus nachts immer gehört, er konnte sich rechtzeitig retten.
Die Frau die im Stadtarchiv gearbeitet hat und noch gerade rechtzeitig raus kam während hinter ihr die Erde aufriss….
Es ist schon verwunderlich wenn man jetzt auch andere Ursachen nicht ausschließt
Gestern bin ich an den Betonmischern vorbei, ein unheimliches Szenario.
 
Weitere Einstürze sollen verhindert werden das Erdreich soll stabilisiert werden.
Wie viele Menschen liegen jetzt unter dem Erdreich?
 
Viele Freunde , Kollegen, Moderatoren, Menschen wohne
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04.03.2009 | 12.08 Uhr | Leon Blogiker Ich bin wirklich beinahe sprachlos und kann mich nur an das anschließen, was Roeschen und Tiberius schon gesagt haben: Hoffen wir mit den Vermissten und den Betroffenen und wünschen wir den Rettungskräften möglichst großen Erfolg! - Was auch immer bleiben wird, ein neues Stadtarchiv muss es geben, damit "wir das historische Gut nutzen können, aus dem wir alle zu lernen haben."
 
Zur Frage der Verursachung und Verantwortung halte ich mich jetzt zurück, aber an dieser Frage führt demnächst kein Weg vorbei!
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04.03.2009 | 11.49 Uhr | Roeschen Hallo Tiberius,
 
ein trauriger Tag für Köln. Ich hoffe auch, dass vieles noch zu retten ist. Heute Morgen las ich im KSTA dass einige Dokumente in der Schweiz auf Film eingelagert ist, aber dass das Arbeiten mit Filmaterial sehr schnell ermüdend ist. Soviel ich weiß, ist immer noch nicht bekannt, ob es Tote gegeben hat bei diesem Unglück. Man darf nur hoffen, dass das nicht der Fall ist. Ich hab mir oft in den letzten Stunden vorgestellt, wie es den Überlebenden möglicherweise gehen muß, dieses Warten auf Hilfe. Schrecklich.
 
Bei dieser Gelegenheit denke ich auch an die Einsatzkräfte, Feuerwehr, Ärzte, Polizei, allen voran Stefan Neuhoff, den ich persönlich kenne und eben aus persönlichen Berichten weiß, welche Kraft eine solche Arbeit kostet und wünsche allen Beteiligten und Helfern Kraft und Stärke für die Arbeit. Ich wünsche, dass es keinen Toten gibt. Viele gute Gedanken bewirken viel, ich hoffe, in diesem Falle auch.
 
Lieben Gruß
 
Röschen
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