Moderne Zeiten
Chaplins „Modern Times“ stammt von 1936. In gewisser Weise prophetisch…
Restlos fasziniert war ich, als mich mein Vater in meinen jungen Jahren nachts aus dem Bett holte, damit ich die Astronauten auf dem Mond verfolgen konnte. Mit schien es damals, als würde 10 Jahre später, wenn ich ins Berufsleben einstiege, mein Büro (was würde ich schon Anderes machen als der geliebte Papa?) irgendwo nahe der Landestelle des „Eagle“ im Mare Tranquillitatis besetzen.
 
Na ja, aus dem Mond wurde Köln. Und komisch, mir klingt noch heute das grelle „Piiieep!“ in den Ohren, das 1969 Neil Armstrongs Schritte im Mondstaub begleitete. Ebenso grell hat sich mittlerweile mein Verhältnis zu einem großen deutschen Anbieter für Telefon- und Mediendienstleistungen entwickelt.
 
Vertragswechsel? "Kein Problem!"
 
Am 20. Juli endete ein alter Vertrag bei einem Mitbewerber. Schon Monate vorher war die sog. Portierung der unserer Kundschaft schon seit Beginn meiner Karriere in Köln bekannten Rufnummer beantragt worden. Und das sei natürlich alles gar kein Problem, wurde mir bedeutet.
 
Ich hatte Zweifel. Der Wechsel war nicht auf meinem Mist gewachsen. Vor ca. 8 Jahren habe ich am alten Wohnort dem Anbieter gekündigt und bin zum Wettbewerber gewechselt, nachdem trotz wiederholter Beschwerden vier Monate lang am Ende der Rechnungen eine kleine Gutschrift erteilt wurde, weil ich ja einen Schwerbehindertennachlass beantragt habe. Nicht nur der Antrag war mir neu. Auch dass ich schwerbehindert bin, wusste ich bis dato nicht.
 
Nun hatte ich ja nichts gegen eine Minderung der Rechnungen. Aber dass Rechnungen korrekt zu sein haben, bedarf wohl nicht expliziter Aufforderung. Ebenso, wie mir Monat für Monat 6,75 € oder so vom Rechnungsbetrag abgezogen wurden, hätte es ja auch umgekehrt der Fall sein können, dass unberechtigt zu viel angesetzt worden wäre.
 
Die neue Rufnummer? Unbekannt.
 
Aber die Lebensgefährtin hatte über einen Kollegen von einem ganz tollen Geschäftskundenangebot erfahren, das nicht wahrzunehmen an Geisteskrankheit gegrenzt hätte. Das besagter Kollege dieses Angebot selbst nicht hatte wahrnehmen können, erfuhren wir erst viel später.
 
Also mal wieder zum früheren Anbieter zurück. Und punktgenau am 20. Juli 2012 schaltete der Wettbewerber, er mir seit fast 8 Jahren problemlosen Service und einwandfreie Rechnungslegung hatte präsentieren können, den Anschluss ab.
 
Ja, zwar lag die Telefonleitung. Aber niemand kannte diese Rufnummer. Seit beinahe 4 Jahren sind wir für unsere Kunden unter der vom Wettbewerber eingerichteten Nummer erreichbar gewesen, ja zu allem Überdruss wurden am 18. Juli Werbeflyer verteilt, in denen natürlich die bekannte Nummer aufgeführt ist.
 
Langer Rede, kurzer Sinn: Der Anbieter war endlich (und nach mehrmaligen immer wieder gleich lautenden Anträgen) so weit, dass wir wieder erreichbar waren. Man bot mir an, die entstandenen Ausfälle zu ersetzen. Das fand ich nun sehr freundlich: wer hatte denn wohl während der Zeit der Nichterreichbarkeit bei uns angerufen? Alles kein Problem: ich musste nur diese Anrufe benennen können.
 
Übertragung der Kundendaten zwingende Voraussetzung
 
Ich musste an meine Kindheitserinnerungen denken. Man stelle sich vor, Neil Armstrong wäre auf diesen Anbieter angewiesen gewesen!
 
Zeitgleich und ebenfalls unter Bezugnahme auf das vom Kollegen der Lebensgefährtin hin angesprochene, nicht ausschlagbare Angebot habe ich ein iPhone4 nebst dazu gehörigem Vertrag erworben. Ganz ausdrücklich wies ich den Berater darauf hin, dass ich nicht mehr die modernsten Dienstprogramme nutze, die Übertragung der Kundendaten jedoch zwingende Voraussetzung für die Wahl des Gerätes sei. Nun ja, natürlich klappte das dann nicht. Ich muss also warten, bis mein alter PC endgültig ausgemustert wird, weil dann die Dienstprogramme ersetzt werden müssen. Dem Vernehmen nach soll das iPhone dann das tun können, was ich von ihm erwarte. Jetzt geht das nicht. Ebenso wenig, wie das Gerät auf mein jetziges Headset zugreifen kann, was mir zuvor ebenfalls zugesichert wurde.
 
Gott sei Dank läuft mein alter Handyvertrag bei einem anderen Anbieter noch bis Mitte nächsten Jahres! Das iPhone lag zumeist unter Verschluss im Büro; mein zwischenzeitlich zugezogener Sohn freute sich darüber und hat sein altes Handy, dessen Akku hin und wieder muckt, deswegen zeitweise ersetzen können.
 
700 € an Gesprächs- und SMS-Kosten berechnet
 
Unklar ist, wieso uns dann im Oktober plötzlich 700 € an Gesprächs- und SMS-Kosten berechnet wurden. Das war mehr, als bisher mit allen anderen Rechnungen zusammen angefallen ist. Zudem wies der Einzelverbindungsnachweis Rufnummern auf, die niemand bei uns kennt. Eine freundliche SMS an den Hauptübeltäter, den ich unter Angabe meiner persönlichen Daten um Hilfe bitten wollte, brachte die recht unwirsche Reaktion offenbar einer jungen Dame als Resultat, die wohl einen unsittlichen Antrag oder Ähnliches vermutete und sich jede weitere Kontaktaufnahme entrüstet verbat.
 
Das ficht den Anbieter jedoch nicht an. In beredter Prosa wurde ich darüber informiert, welch umfangreiche Maßnahmen man doch treffe, um eine korrekte Berechnung zu gewährleisten. Und noch ehe nur im Ansatz eine Klärung erreicht ist, buchte man den Rechnungsbetrag ab.
 
Ich habe das zunächst mal zurückbuchen lassen und werde um des lieben Friedens Willen 100 € unter Vorbehalt überweisen. Selbst damit schneidet der Anbieter über Gebühr gut ab. Dass mich die Vergangenheit nun so eingeholt hat, finde ich erschreckend. Denn offenbar ist die Rechnungslegung für dieses Unternehmen immer noch ein Buch mit sieben Siegeln.
 
Die Kündigungsschreiben für alle dort laufenden Verträge habe ich am Wochenende verfasst und gespeichert. Ich will mal sehen, wie man auf die Abbuchung und meine Antwort auf die Dummsprüche reagiert. Mir scheint, das Ende ist vorgezeichnet.
 
Nur eins stimmt mich bedenklich. Der Wettbewerber, bei dem ich schweren Herzens gekündigt habe, ist einer der größten Kunden des Arbeitgebers der Lebensgefährtin. Und selbstverständlich wollte man dort, noch dazu am Sitz dieses Unternehmens, im Gegenzug die Anschlüsse für das neue Büro in Auftrag geben. Nach etwa 10 Wochen, in denen trotz mehrmaliger Aufforderungen und Anmahnungen seitens des Wettbewerbers eisiges Schweigen herrschte, ist man doch wieder beim ursprünglichen Dienstleister verblieben.
 
Nur die Wahl zwischen Pest und Cholera?
 
Da darf die Frage gerechtfertigt sein, ob ich nicht nur die Wahl zwischen Pest und Cholera habe. So mag dann, wenn man mir die Gnade erweist, mich zu erhören, die Rechnungslegung stimmen. Aber auch die Portierung der Rufnummer stünde ja wieder an….
 
Wahrlich, wir leben in „modernen Zeiten“! Offenbar ist im Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung nicht einmal das Ausmerzen dessen möglich, wofür man zu Beginn meines Berufslebens zumindest einen kräftigen Anschiss bezog.
 
Aber damals war es immerhin möglich, den Fehler nachzuvollziehen. Heute dagegen zwingt man mich, ein Nichts zu beweisen. Und das kostet jetzt eine Menge Arbeitszeit, die an anderer Stelle fehlt.
 
Chaplins „Moderne Zeiten“ sind offenkundig so modern wie eh und je!
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Kommentare | 1 bis 9 von 9 Kommentieren
13.12.2012 | 17.41 Uhr | alt-aber-bezahlt Heute ging die Novemberrechnung ein. Sie lautet über 235 €. Auffällig: das wegen Akkuausfalls eines anderen Handys an meinen Sohn verliehene Gerät wurde im Karnevalstrubel am 11.11. gestohlen. Bis zur Sperrung der Karte verging kaum eine Viertelstunde.
 
Bis zu diesem Zeitpunkt sind fast alle Mehrkosten )über die Grundgebühren von ca. 63 € hinaus) angefallen. Mit Einstecken der Ersatz-SIM-Karte in ein Uralthandy fallen weder Mehrkosten an noch tauchen uns unbekannte Rufnummern auf.
 
Der Betreiber stellt sich immer noch quer. Da offenbar keine Einigung drin ist, werden dieser, ein weiterer Mobilfunkvertrag sowie die Festnetzverbindung des Büros bis Heiligabend wohl gekündigt sein. Irgendwer wird schon in der Lage sein, korrekte Rechnungen zu erstellen.
 
Ein Leidensgenosse sagte Anfang der Woche über diesen Betreiber: Die können alles - außer Telekommunikation".
 
Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.
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12.12.2012 | 13.12 Uhr | alt-aber-bezahlt checkmate, wäre da nicht das Happy-End in diesem Video, wäre mein Einstieg ins PC-Zeitalter treffend dargestellt.
 
Nebenbei ist mittlerweile ein Lebenszeichen meines Anbieters eingetroffen. Man ist angesäuert über die "unberechtigte" Rückbuchung der 700 €. Irgendein Hinweis darauf, dass man sich der Beanstandung auch einmal auf Sachebene anzunehmen gedenkt, ist nicht erkennbar.
 
Darf ich auch ein klein wenig angesäuert sein?
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11.12.2012 | 18.14 Uhr | Profil gelöscht Och Heinz K, diese Studie war vor kurzem noch Gegenstand eines Artikels im Stadtanzeiger. Vielleicht kann mal jemand helfen und diesen finden. Im meinem hohen Alter schaff ich das nicht mehr...
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11.12.2012 | 15.29 Uhr | Heinz K Gareth:
"Ich vermute ja, dies liegt am Menschen. Im Gegensatz zur verwendeten Technik schrumpft dessen geistige Fähigkeit immer schneller."
 
Zeig mir mal eine anthropoligische Studie, die das belegt. Ansonsten hört das ständig zu behaupten. Auch eure Lebenslügen werden nicht dadurch wahr, daß ihr sie ständig wiederholt :)
 
http://www.heise.de/tp/artikel/2/2274/1.html
 
Auch solche empirischen Beweise sind absolut lachhaft:
"Ich hatte mal so einen Under-IQ-Techniker in der Wohnung, als wir auf 50 MBit aufrüsten wollten. Im Prospekt heisst es: Wir installieren alles. Tja, er saß da und schaute. Ich hab ihn dann zum nächsten Kunden geschickt und hab den Router für Telefon und Internet und intranet eingerichtet."
 
Weil du einem Vollidioten begegnet bist erklärst du eine ganze Generation zu Idioten? Sehr intelligenter Rückschluss. Demnach war Deutschland wohl frei von Idioten als du in jenem Alter warst? Alles klar :D
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11.12.2012 | 13.57 Uhr | checkmate Das hab ich noch vergessen
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11.12.2012 | 09.53 Uhr | alt-aber-bezahlt Ja, Gareth, es wäre je alles weniger problematisch, würde man mit seinen Anliegen noch auf denkende (!) Menschen treffen.
 
Die 700 € stehen immer noch zur Diskussion. Man konstatiert ein "TÜV-geprüftes System", das Fehler ausschließe. Mit keinem Wort wird auf meinen Einwand eingegangen, dass (vorausgesetzt, die angeblich angewählten Nummern seien überhaupt bekannt) für den berechneten zeitlichen Aufwand eine zusätzliche Kraft hätte eingestellt sein müssen.
 
Beim Festnetz verzeichnen wir sporadische Ausfälle von ca. 30 Sekunden Dauer. Ich möge mich doch bitte mal bei einem akuten Fall melden, damit das nachvollzogen werden könne, schlug mir eine nette Dame am Telefon vor, nachdem ich elfeinhalb Minuten in der Warteschleife hing.
 
Ein ähnliches Phänomen führte während des Vertrags beim Provider zu einem Anruf von dort. Man habe festgestellt, dass unser Anschluss Warnmeldungen erzeuge, die auf Verbindungsprobleme hinwiesen. Der Betreiber der Leitung ist dazu nicht in der Lage.
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10.12.2012 | 23.13 Uhr | Profil gelöscht Genau das sind die modernen Zeiten! Mit jeder Generation neuer Geräte werden die Probleme größer, nur dauerte eine Generation früher 25 Jahre, heute aber nur noch 25 Monate.
 
Im singulären Gerät ist fast schon quantenphysikalische Technik verbaut. Im Verbund funktionieren die einzelnen Quanten aber immer schlechter. Ich vermute ja, dies liegt am Menschen. Im Gegensatz zur verwendeten Technik schrumpft dessen geistige Fähigkeit immer schneller. Denn wer schaltet die Leitungen?
 
Ich hatte mal so einen Under-IQ-Techniker in der Wohnung, als wir auf 50 MBit aufrüsten wollten. Im Prospekt heisst es: Wir installieren alles. Tja, er saß da und schaute. Ich hab ihn dann zum nächsten Kunden geschickt und hab den Router für Telefon und Internet und intranet eingerichtet. Das soll nun wirklich kein Selbstlob sein, aber ich gehöre definitiv noch zur Generation, die auf der Schule denken gelernt hat.
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04.12.2012 | 07.57 Uhr | alt-aber-bezahlt checkmate, was würden Namen bedeuten, da doch Probleme vorliegen, die unternehmensübergreifend auftreten?
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03.12.2012 | 20.40 Uhr | checkmate Schade, dass keine Namen genannt werden.
 
Leidensgenosse
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