Möhneball in Bliesheim
Foto: Fantry/Pixelio
Wann ming kölsche Siel lese muss, wat die Immis jläuve wat Fastelovend es, do muss ich krieche. Der Umzug. Dat es d`r Zoch. Un vill dovon, dat sin Zöch. Domet Ihr Immis ävver jet verstunn künnt, schrieven ich jetz op Huhdeutsch wigger.
 

Möhneball. Möhneball in Bliesheim.
Jedes Jahr, Wieverfastelovend (Weiberfastnacht) trafen sich die Spielerinnen der 1. Volleyballmannschaft des Erftstädter Vereins zum Möhneball. Vorher hatte jede ihren Schlafsack schon zu Sabine (wohnharft in Bliesheim) gebracht, die Schlafstatt im Wohnzimmer hergerichtet, man hatte zusammen gesessen, Kaffee getrunken und selbst gebackene Kräbbelcher (das sind keine Berliner) gefuttert. Fettige Grundlage für den „Möhneball“.
 
Niemand wusste, wer die Karten für diesen begehrten „Ball“ alljährlich ergatterte – man nahm es hin und dankbar an. Es war ein kleiner, enger Saal, angegliedert an eine Dorfkneipe. Bliesheim war noch ein „Kaff“, jeder kannte jeden, und im Lauf der Jahre war auch die Volleyballmannschaft nicht mehr wegzudenken vom „Ball des Jahres“.
 
Gegen Abend machten wir uns – alle fein kostümiert – auf den Weg zum Saal, schnell hatten wir gute Plätze ergattert, und das erste Kölsch schmeckte besonders gut. Wie unser 1. Vorsitzender (vielleicht stammten die Karten von ihm) es immer wieder schaffte, sich zu uns zu gesellen, ist bis heute ein Geheimnis, aber wir waren ja großzügig. Um uns herum hörte man das Bliesheimer Platt (da wird das R so rischtisch jerollt), aber mer wore jo all us Kölle un kunnte dat verstonn. Bis op uns Jisela – dat wor us Saarlouis un verstunnt nur noch Bahnhoff. Dem Jisela hammer dann immer noch ene Korn zu dem Kölsch bestellt, un nach einer Stund kunnt dat Jisela och Kölsch.
 
Der „Ball“ war eigentlich nie ein Ball, denn es gab keine Tanzfläche. Statt dessen eng stehende Tische und Bänke und eine große Bühne. Auf der ging es dann auch bald los. Einheimische Redner, die alle richtig gut das R rollten un viel us em Dörp zo verälle hatte. Die Funkenmariechen vom Bliesheimer Karnevalsverein, die Ballettgruppe aus Erp, das Dreigestirn vielleicht aus ? Liblar ? (ich weiß es nicht mehr so genau).
 
Spaß hatten wir hauptsächlich, weil wir ausgelassen zusammen sein konnten. Später am Abend traten auch Kölner Urgesteine als Büttenredner auf, und einer alten Tradition folgend, kamen in jedem Jahr um Mitternacht die Bläck Fööss. Der absolute lang ersehnte Höhepunkt - jedes Jahr neu.
 
Ob es stimmt, was um deren Auftritt berichtet wurde, weiß ich nicht: Als die Bläck Fööss ganz am Anfang ihrer Karriere standen, sind sie auch in Bliesheim beim Möhneball aufgetreten. Und hatten wohl großartigen Erfolg, der so immens war, dass sich die supergute Stimmung von Bliesheim bei den Bandmitgliedern eingeprägt hat. So kommen/kamen sie seit Jahren nach ihrem abendlichen Tour-Programm in Köln gegen Mitternacht in Bliesheim an. Und dann! Ja, dann: ging die Party richtig los. Das Sälchen tobte, und wir alle tobten mit. Et Jisela kunnt längs Kölsch: suffe un babbele, et Sabine maht sich Sorje, ov et uns all jot heim lotse künnt, d´r 1. Vorsitzende soß in d`r Eck und luurten seelisch, und mir andere wore am höppe.
 
Die Fööss ließen sich nie mit Zugaben lumpen; frühestens, wenn es auf „halver Zwe“i anging, wurde die vorletzte Zugabe angekündigt.
 
Wie wir mit Sabine nach Haus und in die richtigen Schlafsäcke im richtigen Zimmer gelangt sind, darüber schweigt des Sängers Höflichkeit und auch Sabines Angetrauter, der uns all die Jahre als treue Seele an der Kneipe abgeholt und „heim geführt“ haben soll ;-)
 
Er war es auch, der am nächsten Morgen nicht nur ein gigantisches Frühstück für uns gezaubert hatte, sondern den ganz „Bedürftigen“, zum Beispiel „em Jisela“, auch einen Kaffee an den Schlafsack brachte.
 
Dies ist mehr als 30 Jahre her. Ich weiß nicht, ob es den Verein, den Möhneball und den Besuch der Bläck Fööss in Bliesheim noch gibt. Falls Hubert, der 1. Vorsitzende, dies liest: Wenn Du uns Karten besorgst, dann jonn mir zwei do hin am Wieverfastelovendovend.
 

Alaaf
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Kommentare | 1 bis 6 von 6 Kommentieren
25.02.2012 | 05.32 Uhr | checkmate Hinweis mit Rezept
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18.02.2012 | 03.03 Uhr | checkmate selbst gebackene Kräbbelcher -> Nonnefützchje
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14.02.2012 | 08.49 Uhr | Roeschen HAllo Paula...
 
Dein Bericht erzählt vom wirklichen Fastelovend in und um Kölle herum. Ich denke auch, dass Vieles verloren gegangen ist. Schade eigentlich. Dennoch glaube ich, dass man solche kleinen Festivitäten heute noch finden kann. Sowieso sind die kleinen, unbekannten Sitzungen irgendwo im Veedel oder im Umland weitaus interessanter und es geht dort lustiger und urtümlicher zu.
 
Ja...schöner Bericht...Ich hab ihn auch gern gelesen.
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13.02.2012 | 13.08 Uhr | Leon Blogiker Lebensecht schön geschrieben! Kölsche und Pfälzer oder Saarländer, diese Mischung kenne ich aus der eigenen Familie, wo ich doch selbst nun seit über 40 Jahren ein Immi bin.

Aus Bliesheim kommt übrigens der BAZI, noch heute unter Musikkennern sehr bekannt. Ob der allerdings dort auch Karneval gefeiert hat, das glaube ich eher nicht (er hätte dann wohl länger gelebt).
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13.02.2012 | 12.05 Uhr | Taxania Schöner Bericht, erhaltenswerte Tradition. Es wäre wirlich interessant, gibt es diese Tradition noch heute?
 
In Köln gibt es täglich eine Vielzahl von offiziellen, kommerziellen Karnevalsveranstaltungen. Ungeachtet dessen finden noch ganz private, im Sinne diese Berichtes, karnevalistische Treffen in Stammkneipen statt. Mich freut das immer wieder, das macht den Karnevall so liebenswert.
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12.02.2012 | 15.10 Uhr | marewa Hier bei uns an der oberen Sieg gibt es sie noch vereinzelt, die "Möhnenbälle". Vor 30-40 Jahren gehörten sie zum "Fastowend" wie das Dreigestirn zu Köln. Dann wurde in den Klamotten von Oma gesucht für das richtige "Outfit". Eine Augenmaske oder auch eine ganze Gesichtsmaske war ein Muss. Die anwesenden "Kerle" sollten einen ja nicht sofort erkennen. Mitternacht war dann De-Maskierung. Herrlich! Ja, lang ist's her.
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