Mary, unser Patenkind
Mary etwa mit 12
Nehmen wir einfach mal an: unser afrikanisches Patenkind hieß Mary. Als alles begann, war sie 6 Jahre alt. "May God richly bless you all." war fast das Letzte, was wir von ihr zu lesen bekamen, als sie 18 wurde.

Den Brief schrieb sie uns nicht nur, um sich für die Euro zu bedanken, die wir ihr auch diesmal wie seit fünf Jahren zu Weihnachten extra zukommen ließen, sondern sie machte uns auch die folgende Mitteilung:

"Please I have stop going to School because I do not have proper parental care. The saving will help me in the near future when I begin to make business."

Das kam für uns überraschend, da wir bis dahin keine offizielle Mitteilung über das Ende der Patenschaft erhalten hatten. Die kam dann aber nach einem Telefonat:

"Die Kollegen teilten uns mit, dass Mary eigentlich ihr Abschlussexamen in der Junior Secondary School hätte schreiben müssen, sie jedoch bedauerlicherweise das Interesse an der Schule verloren hat und stattdessen nun einem Verwandten bei seinen Geschäften behilflich ist. Die junge Frau plant, einen Beruf zu erlernen und dann ihr eigenes Geschäft zu führen."

Wir sind etwas enttäuscht. Jahrelang haben wir ihre Entwicklung mit Interesse begleitet und durch den monatlichen Betrag von ursprünglich 50 DM im Rahmen der persönlichen Kinderpatenschaft ihre Betreuung, Ernährung und ärztliche Versorgung unterstützt, die Förderung der Familie ermöglicht und uns an der Durchführung aller übergreifenden Maßnahmen eines Projektes beteiligt. Gerne hätten wir es gesehen, wenn sie ihr Ziel erreicht hätte, Ärztin zu werden. Aber damit ist nun nicht mehr zu rechnen.

Wir denken aber gerne an die Zeit zurück, in der wir durch die Patenschaft mit einander verbunden waren und uns über ihre Gesundheit und Weiterentwicklung gefreut haben. Und
natürlich wünschen wir Mary auch für ihr weiteres Leben das Beste.

In Marys letztem Brief steht noch ein weiterer Wunsch an uns, der nichts mit der Preisgabe orthopädischer Probleme zu tun haben kann: "More grease to your elbow." Deshalb führt die wörliche Übersetzung nicht weiter! Ob etwas wie"Hals- und Beinbruch!" gemeint ist?
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02.02.2010 | 19.50 Uhr | Alexander_v_Thies @myli
 
Auch wird der Geldspender 1x jährl. über die Entwicklung informiert. Das betrifft den gesundheitl. Zustand des Kindes, seine Vorlieben und Interessenlagen, (Hobbys, etc.), die familiäre Entwicklung und die Berufswünsche.
 
Insgesamt eine gute Sache. Falls man sich dafür entscheidet, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass diese Spenden andauern, bis das Kind seine Volljährigkeit erreicht hat, um eine umfangreiche Hilfe gewährleisten zu können.
Darüber hinaus informiert die Organisation seine Spender regelmäßig über die Projekte, die im direkten Umfeld des Kindes passieren, um damit Spenden außer der Reihe zu erhalten, z.B. Brunnenbauprojekte, etc.
Man kann dem Kind auch Päckchen zusenden, doch deren Inhalt sollte sorgsam ausgewählt werden. Die jeweilige Organisation steht dem Spender dabei gern mit Rat zur Seite.
 
Gruß
Alexander
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02.02.2010 | 19.38 Uhr | Alexander_v_Thies @myli
 
Eine Patenschaft läuft es wie folgt ab:
Nach Anmeldung bei worldvision oder anderen Organisationen entscheidet sich der Spender für ein unterstützungswürdiges Land seiner Wahl, sowie für das Geschlecht des Patenkindes. Anschließend erhält er per Post Detailinfos über das ausgewählte Kind: Alter, Wohnregion, Bedürftigkeit, Familie und ein Foto.
Die mtl. Überweisung läuft per Dauerauftrag, wobei der Spender regelmäßig darüber informiert wird, (meist 3x pro Jahr), was mit dem Geld passiert. In der Regel finanziert er damit den Schulbesuch des Kindes, sowie die Schulspeise- und Kleidung, als auch die med. Versorgung.
Jedes Jahr zu Weihnachten erhält der Spender ein aktuelles Foto ^seines Patenkindes^, sowie ein selbstgemaltes Bild, und/oder einige geschriebene Zeilen.
Wer mehr Kontakt wünscht, kann dem Kind in englisch oder französisch schreiben, was von den jeweils zuständigen Mitarbeitern vor Ort übersetzt wird. Meist erhält man darauf aber keine Reaktion.
 
Fortsetzung
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02.02.2010 | 12.29 Uhr | Spiegel Hallo myli,
 
es bestand für uns als Paten die Möglichkeit, unser Patenkind zu besuchen. Dazu ist es nicht gekommen. Ein Besuch der Patenkinder in Deutschland ist nicht erwünscht.
 
Unsere Post - Texte in Englisch - ging an die örtlich Zuständigen, die für die Weitergabe, ggf. Übersetzung, sorgten. Die Briefe dort und Berichte wurden für Mary geschrieben und mit Fotos, Zeichnungen und in den letzten Jahren auch mit kleinen Grüßen des Patenkinds in Englisch ergänzt.
 
Zuletzt bin ich wegen eines Abschiedsbriefs gefragt worden. Ich habe (bisher) keinen geschrieben.
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02.02.2010 | 11.31 Uhr | myli Hallo spiegel;
 
Klar ist mir klar, das dir das auch
klar ist. ;-)))
Leider spricht unser herz oft eine andere sprache,
als unser hirn.
Jetzt musst du es nur noch akzeptieren. Wenn auch mit
einem lachenden und einem weinenden auge.
 
Was ich nicht verstehe ist, wieso man den kontakt nicht
brieflich weiter aufrecht halten kann.
Oder habt ihr da nur eine sammeladresse, die briefe
und spenden weiterleitet ?
 
lg. myli
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02.02.2010 | 06.10 Uhr | Spiegel das weiß ich doch! -
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01.02.2010 | 20.44 Uhr | esprit stimmt.. das was myli sagt. Wenn Kinder oder Patenkinder groß werden, wollen sie selber entscheiden.. und für uns heißt es dann loslassen und hoffen, dass sie das richtige tun. *loslassen* ist furchtbar doof, manchmal, aber was hilft's? es ist nicht zu ändern.
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01.02.2010 | 20.04 Uhr | myli Gerne hätten wir es gesehen, wenn sie ihr Ziel erreicht hätte, Ärztin zu werden. Aber damit ist nun nicht mehr zu rechnen.
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Lieber spiegel;
gerade bei diesem satz, klingt etwas der entäuschte papi durch.
 
Aber selbst in Afrika braucht man sich für das medizinstudium, einen gewissen notendurchschnitt.
Ich denke mit 18 jahren kann dein patenkind sicher selbst entscheiden, ob sie ein studium schafft oder nicht.
Wenn sie sich mit einem geschäft dort selbständig macht, und auf eigenen beinen stehen kann, hat sie das sicher auch dir und deiner jahrelangen spende zu verdanken.
An deiner stelle würde ich mich freuen, das sie als mädchen überhaupt die chance bekam zu lernen.
 
Wie hier schon geschrieben wurde, ist wie bei den eigenen kindern, die nicht immer das machen, was die eltern gerne hätten.
 

lg. myli
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01.02.2010 | 16.38 Uhr | Spiegel @ Paula
 
Zur Patenschaft heißt es in demselben offiziellen Schreiben:
 
"hre Patenschaft für Mary hat ein plötzliches Ende gefunden. Dies bedauern wir sehr."
 
In der Regel dauert so eine Patenschaft so lange, wie das Projekt gefördert wird. Einer der weiteren Gründe für die Beendigung der Patenschaft ist der frühe Eintritt des Kindes ins Berufsleben.
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01.02.2010 | 16.00 Uhr | Paula Forts.:
Das unterscheidet vielleicht von Paten „vor Ort“: die können sich eventuell mit ihrem Patenkind unterhalten, ihm Möglichkeiten und (eventuelle dritte) Wege aufzeigen. All das konntet Ihr nicht und habt Euch auf die Organisation verlassen müssen, von der Ihr nun eine für Euch enttäuschende recht nüchterne Botschaft bekommen habt. Dennoch glaube ich, dass das Mädchen ihren Weg geht. Er wird nur etwas mühsamer sein. Heißt das, dass die Patenschaft nun damit beendet ist? Interessiert mich einfach, weil ich nicht weiß, wie solche Organisationen Patenschaften konkret vermitteln und betreuen.
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01.02.2010 | 16.00 Uhr | Paula Hallo Spiegel,
ich habe im Zusammenhang mit dem Spendenaufruf von Hajo4711s Tochter Lena viel über das Thema Spenden und „Patenkind“ im Ausland nachgedacht und mit Bekannten diskutiert. Sich über so viele Jahre an eine Patenschaft gebunden zu halten und ein Kind zu begleiten, finde ich schon bewunderungswürdig. Da bleibt es nicht aus, wenn man ein wenig enttäuscht ist über die Umentscheidung der nun 18jährigen hinsichtlich ihrer Berufswahl. Ausgesprochen schade finde ich, dass sie ihren Abschluss an der Schule nicht noch gemacht hat – egal wie ihr weiterer Weg dann gewesen wäre.
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01.02.2010 | 14.52 Uhr | Spiegel An irgendwelche Bedingungen war unsere Patensachaft nicht geknüpft. Von Anmaßung oder gar so etwas wie "Kolonial-Herren-Gehabe" zu reden, halte ich für völlig abwegig.
 
Spiegel
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01.02.2010 | 14.48 Uhr | Spiegel @ Alexander
 
Ob ich das Recht habe, bei so einem feinen Nick wie Deinem von dem unter "Stadtmenschen" unüblichen "Sie" abzuweichen, ist natürlich die Frage.
 
Aber über mein "Recht" enttäuscht zu sein, sollte nicht länger gestritten werden! Unabhängig davon könnte die erwähnte Enttäuschung wohl doch vertändlich sein, wenn man den von Mary genannten Berufswunsch damit vergleicht, was ihr nach abgebrochener Schulbildung noch mögich ist.
 
Sicher hat sie relativ gute Voraussetzungen für eine Berufsausbildung, und ein Geschäft zu führen, ist sicher etwas nicht jedem jungen Menschen dort Mögliches. Aber zumindest der Schulabschluß wäre doch wohl von Wert gewesen.
 
Ihre Begründung liest sich anders als die offizielle Mitteilung. Die uns geschickten Fotos zeigen, was für sie von einem kleinen Teil des Weihnachtsgeldes gekauft werden konnte. 210 ghanaische Cedis waren zuletzt auf ihrem Konto. Haben die eventuell ihre Entscheidungen beeinflusst?
 
Unsere ursprünglichen Erwartungen sind gennannt.
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01.02.2010 | 11.45 Uhr | Alexander_v_Thies ^...wenn man per Brief Freud und Leid mit diesem Menschen teilt, hat man wohl auch das Recht, enttäuscht zu sein, wenn der Lebensweg dieses Menschen von dem geplanten abweicht.^
 
@compikoch
 
Woraus ziehen Sie diese Erkenntnis? Und wer hat das Recht, den weiteren Lebensweg zu planen? Wohl doch der Mensch, den es betrifft und das ist in diesem Fall ausschließlich Mary. Im Beitrag stand mit keiner Silbe, dass Freud und Leid miteinander geteilt wurden.
 
Der Geldgeber kann nicht erwarten, über sämtl. Schritte und Entscheidungen eines volljährigen Menschen informiert zu werden. Entweder gibt man gern und freiwillig, um dem Patenkind eine reelle Entwicklungschance zu geben, oder man lässt es. Aber die Finanzspritze an Erwartungen und Bedingungen zu knüpfen, ist anmaßend und arrogant.
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01.02.2010 | 11.33 Uhr | Marathonman40 Eine Patenschaft ist auf jeden Fall besser, als pauschale Spenden an eine Hilfsorganisation. Man weiß, dass das Geld bei einem Bedürftigen ankommt und kann mit der Zeit die Fortschritte sehen.
 
Schade zwar, dass Mary die Schule abbricht, aber immerhin ist sie mit Hilfe des Geldes bis zum 18. Lebensjahr zur Schule gegangen, wovon andere Kinder, insbesondere Mädchen in Entwicklungs- und Schwellenländern oft nur träumen können.
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01.02.2010 | 11.21 Uhr | compikoch Wenn man 12 Jahre Anteil am Schicksal eines Menschen nimmt, den man finanziell unterstützt, wenn man per Brief Freud und Leid mit diesem Menschen teilt, hat man wohl auch das Recht, enttäuscht zu sein, wenn der Lebensweg dieses Menschen von dem geplanten abweicht.
 
Selbstverständlich hat Franx mit seiner Einschätzung Recht. Trotzdem gibt es Alexander nicht das Recht, hier von Kolonialherren-Gehabe zu schreiben.
 
Wenn mehr Gutbetuchte wie Spiegel aktiv helfen würden (ich stelle mich da selbst an den Pranger), ginge es der Welt besser.
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01.02.2010 | 10.26 Uhr | Alexander_v_Thies @Spiegel
 
Prima, dass Sie über einen langen Zeitraum einem jungen Menschen mit Ihrer finanziellen Unterstützung das Leben erleichtern konnten! Gerade die med. Versorgung, sowie Nahrung, Kleidung, Schulgeld, etc. wurden durch Ihre Patenschaft gesichert - ein lobenswertes Hilfe-Beispiel.
 
Trotzdem ist und bleibt es lediglich eine Finanzspritze von gut situierten Menschen, die weder das Patenkind real zu Gesicht bekommen haben, noch ein pers. Verhältnis aufbauen konnten.
Ich halte es deshalb für ziemlich anmaßend, sich darüber enttäuscht zu zeigen, welchen beruflichen Weg Ihr Patenkind einschlägt.
Das ist und sollte unbedingt Mary's alleinige Entscheidung bleiben.
Sie beschreiben es aber so, als ob Sie Mary's Entschluss etwas anginge. Solch ein Verhalten kommt fast einem ^Kolonialherren-Gehabe^ gleich und das stößt mir bei Ihrem Beitrag leider sauer auf.
 
MfG
Alexander
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01.02.2010 | 10.15 Uhr | franxinatra Welche Kinder werden schon, was die Eltern wollen? Da dürften sich junge Menschen in Afrika nicht von denen hier unterscheiden; vie viel mehr solltest Du dich erleichtert zeigen dürfen, dass Deine Unterstützung sie auf einen Weg geführt hat, auf dem sie Selbstbestimmung üben kann.
Eine Befähigung, die -den Vergleich wieder wagend- hier nicht jeder junge Mensch zu Wege bringt.
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01.02.2010 | 09.21 Uhr | A-Jay "More grease to your elbow" - bedeutet, leger übersetzt, soviel wie hau rein ... mach zu ... lass' nicht nach... arbeite dran..,
 
"ellbow grease" ist das, was die Kraft gibt, etwas (noch) besser zu machen ... deine Arbeit gut zu machen.
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