Macchu Pichu mal anders
Dave bei den Raqchi Ruinen
Nein, Ruinen interessieren mich nicht wirklich. Und Dave, dem 29 jaehrigen Programmierer aus Texas, mit dem ich seit Guatemala zusammenreise, ebenso wenig. Grad gestern waren wir in Raqchi, Einer Inka Ruine auf dem Weg nach Puno. Bereits 4 Minuten nach betreten des Gelaendes, die Eintrittskarte noch nicht verstaut, konnte ich Daves Enthusiasmus auf einem Foto festhalten (s. Foto) ... nach 7 Minuten waren wir dann wieder draussen. Die Steine sind einfach nicht unser Ding.
 
Ja, selbst die beruehmten Ruinenplaetze „Palenke“ in Mexico oder „Tical“ in Guatelmala wurden von mir nicht angefahren. Doch eines ... eines darf man einfach nicht umfahren, das ist auch mir klar ... Das ist Macchu Pichu. Die wohl beruehmteste Ruinenstadt der Welt. Die Inkas bauten Sie in der Naehe Cuzcos in Peru hoch oben auf dem Macchu Pichu.
 
Aguas Calientes heisst der Ort von dem 1000de Touristen taeglich mit dem Bus zum Eingang der Inka-Stadt fahren. Wie die Busse dorthin gekommen sind, weiss ich allerdings nicht, denn Aguas Calientes ist nur mit dem Zug zu erreichen, Strassen dorthin gibt es nicht. So nehmen die meisten Touristen die voellig ueberteuerte, ueber 100 km lange Zugstrecke von Cuzco hierher. Wir entschliessen uns jedoch uns mit den Motorraedern so weit wie moeglich an die Inkastadt heranzufahren. Dazu muessen wir uns durch die Berge bis nach Santa Teresa durchschlagen, um von dort nur eine kurze Zugstrecke von vielleicht 15 km nach Aguas Calientes zu nehmen. Der Weg von Ollatayantambo nach Santa Teresa sei einmalig, ein absoluter Traum fuer Motorradfahrer, versprach man uns... und ... es stimmt. Diese Strecke zaehlt bisher zu den Top 3 der schoensten Strecken auf meiner Reise.
 
Die Hinfahrt allerdings war mehr spannend als von wunderschoener Aussicht gepraegt. Die zuerst sehr gut ausgebaute Strasse schlaengelt sich den Berg hoch. Und das bis hoch auf auf ueber 4300 Meter. Das ist viel. Richtig viel. Ein Blick nach oben zeigt mir... das geht durch die Wolken.... und die sehen schwer und dunkel aus. Und so dauerte es auch nicht lange bis der erste Tropfen des kalten Regens dick und laut auf meinen Helm trifft. Vermischt mit Hagel peitscht er uns Minuten spaeter durchs offene Visier die Roete ins Gesicht. Das Visier schliessen ... das geht nicht, es beschlaegt sofort und schlechte Sicht koennen wir uns bei den vielen Kurven nicht erlauben.
 
Nach einer halben Stunde Regenfahrt durchbrechen wir die Wolkenlinie und fahren hinein in das dunkele Gebraeu. Regen und Hagel hoeren auf, denn hier sind wir ja in der Produktionsstaette des Unwetters. Kein Regen mehr, kein Hagel ... nur noch dichter Nebel. Wir sehen kaum noch etwas ... Anhalten und Abwarten ... geht nicht, nein, ist zu gefaehrlich, denn immer noch schieben sich LKWs durch den Nebel, die uns bestimmt zu spaet auf den engen, kurvigen Strassen entdecken wuerden... also weiter.
 
Wir schaffen es und lassen etwas atemlos durch die duenne Luft den Pass von mehr als 4300 Metern hinter uns. Kurze Zeit spaeter kriechen wir auf der anderen Bergseite unter unserer Wolkendecke wieder hervor und stellen zu unserer Erleichterung fest... hier regnet es nicht... und wir sehen ein traumhaftes Panorama von sich ueber Hunderte von Hoehenmetern herunterschlaengelnden Strassen.
 
Doch zu frueh gefreut ... kurze Zeit spaeter endet der Asphalt und 60 km uebelste Dirtroad warten auf uns. Heilfroh bin ich , dass wir unser Gepaeck in einem Hostel in Ollatayantambo gelassen haben, denn wir holpern doch recht heftig durch die unzaehligen Schlagloecher.
 
In einigen Bergdoerfern fragen wir nach dem Weg. Als Dave auf der Strecke zwei Frauen anspricht, also ich mein nach dem Weg fragt, setzen diese sich, ehe er sich versieht, beide hinten aufs Motorrad und wollen mit ins naechste Dorf genommen werden. Nicht einfach mit drei Erwachsenen auf einem Motorrad durch sandiges Off Road Gelaende zu fahren... aber Dave schaffts ganz gut bis nach Santa Maria, dem Wunschort der beiden Damen.
 
Kurz nach Santa Maria biegen wir links ab. Die Strasse wird noch schlechter. Nach 3 km eine etwas baufaellige Bruecke. Vor uns faehrt ein kleiner LKW ... Holzbalken hat er auf der Ladeflaeche ... der Fahrer stoppt vor der Bruecke...so als wuerde er zoegern darauf zu fahren... kann ich irgendwie verstehen. Dann doch gibt er Gas und rollt ueber die klappernden Holzbretter der Bruecke. Einige sehen morsch aus. Na, wenn der es ueber die Bruecke schafft... schaffen wir es auch.... Wir warten erst mal ab was geschieht. Und tatsaechlich ... es geschieht etwas. Mit einem lauten Knack und Knall bricht das linke Vorderrad durch die Bretter der Bruecke. Einige Holzteile stuerzen polternd die 20 Meter durch das Gestaenge der Holzbruecke hinab in den Fluss. DerMotor ist aus. Still ist es. Nichts ruehrt sich mehr. Bestimmt fuer eine Minute. Dave und ich schauen uns fragend an ... Dann ein leises knarren der Fahrertuer. Langsam oeffnet sie sich... Der Fahrer traut sich noch nicht auszusteigen bevor er nicht weiss, wie die Lage ist. Doch dann ist klar, dass wohl nicht mehr einstuerzen wird.
 
Die Menschen aus dem Dorf laufen herbei und beginnen mit der LKW-Bergung. Dass kann noch Stunden dauern, bis der da wieder raus ist .... daher entschliessen wir uns da irgendwie vorbeizufahren. Dave und ich holpern mit unseren Motorraedern und einem sehr unguten Gefuehl ueber die morschen Bretter, aus denen auch noch reichlich Naegel herausragen, mitten durch die Menge der Helfer. Kurze Zeit spaeter setzen wir unsere Fahrt nach Santa Teresa fort ...
 
Heute bin ich nicht mehr in Santa Teresa... wen es interessiert, der findet unter World-Tourer meinen genauen Standort und was sonst noch passiert ist auf dieser bislang ueber 18 monatigen Reise...
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Kommentare | 1 bis 4 von 4 Kommentieren
15.11.2008 | 13.47 Uhr | Anita Brandtstäter Hallo Bacardi,
 
man merkt, dass Ruinen Dich „nicht wirklich“ interessieren! Obwohl der Titel Deines Beitrags etwas anderes suggeriert.
 
Sondern eher Dirtroads – eine interessante Sprachschöpfung, die ich noch nicht kannte.
 
Weiterhin gute Reise – keine baufälligen Brücken oder dicke Nebelschwaden - wünscht
Anita
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13.11.2008 | 12.29 Uhr | Jandi Hallo Bacardi, danke für den Reisebereicht, da werden Erinnerungen wach an meine Peru-Reise und natürlich auch an Maccu Pichu in den 70er Jahren. Weiterhin gute Fahrt
Gruß Jandi
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13.11.2008 | 10.52 Uhr | ing.lambertz Hallo Bacardi,
ich habe reingeschaut in deine Seite. Also bist du z.Zt. in Peru an der Grenze zu Bolivien ?
Wie hoch hinauf kann eigentlich ein Motorrad bevor diesem die Luft ausgeht ? Mount Everest geht wohl nicht mit dem Bike ;-))?
Weiter schöne (?) Reise und berichte weiter uns Stubenhockern daheim.
Gruß Lemm(y)i
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13.11.2008 | 09.08 Uhr | Roeschen Hallo Barcardi:
 
Gott sei Dank alles gut gegangen. Erinnert mich an meine Fahrt über den Tanglang La (5.325 m), unterwegs hatten wir auch ein Erlebnis mit einer eingebrochenen Brücke, ist ebenfalls nichts passiert, außer Materialschaden. War schon abenteuerlich! Die Höhe hatte mir nicht sehr viel ausgemacht, außer, dass ich das Gefühl hatte, meine Beine sinken weg, man hat kaum Kontrolle über den Körper.
 
Viel Glück weiterhin, die Aussicht danach hat ja alles gut gemacht! Man wird dann am Ende belohnt.
 
Bist Du eigentlich auch den Manali-Leh-Highway gefahren?
 
Viele Grüße
 
Röschen
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