..und plötzlich flimmerte die Röhre bunt
(Bild: dpa)
Soll das ein Witz sein? Bewegliche TV-Bilder in Grautönen? Und dazu in einer mickrigen 55cm-Bild-Diagonale? Hä?
 
Was heute bestenfalls ungläubiges Staunen hervorruft, war damals übliche Fernseh-Idylle: Nach dem Abendbrot vereinte sich die Familie zur Tagesschau. Natürlich in Schwarzweiß. Nach Prof. Grzimek und seinen wilden Tieren - logisch - in Schwarzweiß, wurden die Kinder ins Bett gescheucht. Die Erwachsenen erfreuten sich später mit Chips und Bier an Kulenkampf - in Schwarzweiß. Vielleicht war's auch umgekehrt. Egal: Um 22.30 Uhr herum erklang feierlich die Nationalhymne. Dann war Feierabend. Ende. Schlafenszeit auch für die Großen.

Aber man hatte auch etwas munkeln gehört. Es hieß, ein schlauer Professor Soundso stünde kurz davor, den grauen deutschen Fernseh-Alltag auf bunt zu hübschen. Und zwar nicht in grellen Bonbonfarben à la USA sondern völlig naturecht. Später hieß es dann, seine Erfindung, die er PAL nannte, wäre inzwischen sogar serienreif. Unglaublich! Farbe? Im deutschen Fernsehen? Wie soll das denn gehen?
 
"Bitte genauso stehen lassen und keinesfalls mehr verrücken!"
 
Es geschah an einem schönen Frühlingsmorgen. Wenn ich mich recht erinnere, war es 1966. Drei wackere WDR-Techniker schleppten einen großen Kasten im angesagten skandinavischen Möbeldesign in unser Wohnzimmer. Dort stellten sie ihn vorsichtig auf die Beine. Sie schlossen ihn ans Stromnetz an und zückten verschiedene Messinstrumente. Und schon erschien das Fernseh-Testbild - in Schwarzweiß. Während der eine prüfend und messend Kommandos erteilte, bewegte ein anderer den Kasten so lange hin und her, bis jemand "Stopp" rief. "Bitte genauso stehen lassen und keinesfalls mehr verrücken!", wurde der jugendliche Neugierige zur Weitergabe an seine Familie ermahnt.
 
Die Sorge, etwas Verbotenes zu tun, hinderte mich zunächst daran, selbst Hand an den aufregenden Kasten zu legen. Aber schon am nächsten Nachmittag unterlag ich der Spannung. Ich wusste, dass (lange vor dem offiziellen Start des neuen Fernsehens) nachmittags kleine Testfilme ausgestrahlt würden - IN FARBE! Also schlich ich zur angesagten Zeit ins Wohnzimmer, das Gott sei Dank gerade verwaist war und bediente zaghaft den Knopf.
 
Nach nur wenigen Sekunden erhellte sich der Bildschirm. Was dann folgte, hat mich umgehauen. Ein Wunder! Ich sah ein buntes Blumenmeer unter strahlend blauem Himmel, leuchtend rote Rosen in Großaufnahme, gelbe, blaue, orangenfarbene Flora in Hülle und Fülle. Ein Bild wie von van Gogh - nur beweglich. Wahnsinn! Ich konnte mich an diesem Anblick nicht satt sehen.
 
Farbfernsehen - einfach großartig
 
Überflüssigerweise lief darunter ein Schriftzug im Blümchendekor: "In Farbe" stand da erklärend (war wohl als Provokation der noch restlichen 99,7% Grauseher gedacht). So großartig hatte ich mir Farben im Fernsehen in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt.
 
Vor genau 45 Jahren, am 25. August 1967, wurde das Zeitalter des Farbfernsehens in Deutschland offiziell und feierlich eingeläutet. Seitdem ist Farbe zwar eine Selbstverständlichkeit, die Programme haben sich vervielfacht, die Bildschirme wurden größer und flacher, die Auflösungen schärfer, und doch hat sich wirklich Revolutionäres nicht mehr eingestellt. Jetzt erwarten viele von uns den neuesten Coup: Das räumliche Sehen - naturecht und natürlich in Farbe.
 
Leider werde ich - kurz bevor es soweit ist - auf den Besuch von drei wackeren WDR-Technikern verzichten müssen. Die Zeiten haben sich eben geändert.
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Kommentare | 1 bis 5 von 5 Kommentieren
10.09.2012 | 16.56 Uhr | checkmate Doppel
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10.09.2012 | 16.35 Uhr | dhorade85 "...Chips und Bier an Kulenkampf - in Schwarzweiß"
 
Meine Chips waren immer schon bunt ;-)
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10.09.2012 | 16.26 Uhr | checkmate Ha ha, das schlaue Männchen hieß Dr. Walter Bruch. Ich war dabei, als er auf der Hannover-Messe seine Erfindung PAL vorstellte. Zuerst wurde die Ziehung der Lottozahlen in Farbe übertragen. "Aktenzeichen XY - ungelöst" blieb sw. "Hier sehen Sie die braune Tasche in grau".
 
Beim Fußball: "Für unsere Schwarz-Weiß-Zuschauer´: Die Roten haben 2 Streifen an den Stutzen, dier Blauen drei."
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10.09.2012 | 16.12 Uhr | Zabaione wow, klasse! Endlich ein anderes "Standbild" auf der Startseite- an das Standbild erinnere ich mich auch noch.
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10.09.2012 | 15.30 Uhr | Appels Ejon Überflüssigerweise lief darunter ein Schriftzug im Blümchendekor: "In Farbe" stand da erklärend
 
Eher keine Provokation. Eher für so Leute wie meinen Opa gedacht.
 
Komplett Farbenblind aber sein größter Wunsch "ne Buntfernseher "
 
Bess dehmnäx mal
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