Seit Jahren kaufe ich das frische Obst und Gemüse, die Eier, die Milch, den Käse, die selbstgemachten Marmeladen,Nudeln, Kartoffeln, Öl, Butter und und und in einem kleinen Nachbardorf beim Tante-Emma-Laden.
 
Nicht dass ich solo bin, aber meine Frau und ich führen halt eine „moderne“ Ehe, da wo auch der Mann kocht, putzt, wäscht, bügelt.
 
Das Einkaufen haben wir uns aufgeteilt. Meine Frau fährt auf dem Heimweg bei den örtlichen Supermärkten vorbei und besorgt dort so Dinge wie Putzmittel, Waschmittel, Klopapier usw.
 
Ich fahre jeden Freitag nach der Arbeit zu meinem Tante-Emma-Laden ins Nachbardorf und zum Metzger daneben.
 
Hier gibt es z.B. noch Kochnachhilfe. Auf meine Frage, wie man denn nun am besten grüne Bohnen macht holte die Inhaberin sofort ein Küchenmesser und holte tief Luft : also esu det me die schnibbele unn dann ………. inzwischen waren mehrere Frauen weit jenseits der 70 und unsere Dorfärztin im Laden anwesend und jede erklärte mir „ihr“ Rezept. Wichtig war : unn dann jehste nevvenahn nom Berti ( dem Metzger)unn do krehste dä Speck. Es war eine tolle Stimmung. Da kam keine Kochsendung mehr mit.
 
Die Bohnen, den Speck nach Hause getragen und meine Frau verdrehte die Augen so lecker war die Mahlzeit am Samstag.
 
Voriges Jahr kam ich zum Sommer in den Laden, da lagen platte Pfirsiche rum. Die hatte ich noch nie gesehen.
Watt, die kennste nett. Probier ens do wehste süchtisch.
 
Die Pfirsiche ein Traum. Es waren wilde Pfirsiche. Seither sind wir wirklich süchtig nach den Dingern. Im Kaiserstuhl haben wir die dann auch wieder bei den Bauern gefunden. Warum nicht im Laden. Tja erklärten uns die Bauern: Die entsprechen nicht den EG-Normen, weil die so platt sind. Deshalb gibt es die nur im Hofverkauf, da müsst ihr schon rüber nach Frankreich, die sehen das was lockerer.
 
Schön, dass in unserem Tante-Emma-Laden anscheinend so lockere Verhältnisse wie in Frankreich herrschen. Auch dieses Jahr gab es wieder die wilden Pfirsiche.
 
Aber
 

Nun heißt es langsam Abschied nehmen. Die Damen aus dem Tante-Emma-Laden hören aus Altersgründen auf.
 
Und habt ihr einen Nachfolger: Näh, do weeste och keene finge
In dä Nach nom Jroßmark, inkofe, dann dä janzen Daaach im Lade unn ovends um aach häste fierovend unn Urlaub kenne mie ja janitt.
Datt mähd keene mieh unn die jung Lück die kove all im Supermark, die wollen doch jarkeen Qualität. Belisch muss ett sinn. Die hann ja och keen Zigg mieh für ne Verzäll.
 
Näh dann iss he Schluss.
 
Und was ist mit den alten Leuten, die hier jeden Tag einkaufen kommen ?
 
Tja die hann Pech jehatt, die künne enem leid dunn. Watt die dann maache, mir wisse ett nitt.
Wenn die keinen haben der se mit dem Auto zum nächsten Supermarkt ca 8 KM weiter bringt. Tja, keine Ahnung. Der Bus ? ja wie wollen die dann das Zeug nach Hause schleppen. Hier im Laden haben wir denen ja wenn die selber nicht mehr laufen konnten die Einkäufe nach Haus gebracht.
 
Vielleich müssen die dann innet Heim. He krejen die ja nix mieh.
 
Und meine wilden Pfirsiche, die leckeren Eier, die tollen Rezepte, der Klön mit den Frauen……
 
Schade
 
Mir wird verdammt viel fehlen, das war für mich immer ein wunderschöner Einstieg nach der arbeitsreichen Woche ins Wochenende. Irgendwie war man da ein Stück weit "Zu Hause"
 
Und die Alten die übrig bleiben.. ich darf da nicht weiterdenken...traurig
 
In Bergisch Gladbach entsteht nun ein riesiger Marktkauf, da gibt es auch ein Kaufland- Ob ich da wilde Pfirsiche bekomme oder selbstgemachte Marmeladen oder die Herzlichkeit, die Wärme, will da einer beim Einkaufen noch -wirklich- wissen wie es mir geht... mir wird vieles fehlen.
Beitrag ändern
Beitrag bewerten
Erst einloggen, dann bewerten
Note
Stimmen
Aufrufe
weiterempfehlen
Kommentare | 1 bis 13 von 13 Kommentieren
30.08.2007 | 22.29 Uhr | Zahnmaus Wunderbarer Beitrag.
In Frechen gibt es noch einen Metzgerladen der alten Generation.
Sie kennen Ihre Kunden sprechen dich mit Namen an. Der gekochte Schinken wird noch "selbst gemacht". Einfach Klasse.
Und für den Hund ist immer ein Leckerchen dabei.
Hoffentlich bleiben sie uns noch lange erhalten. Wo soll ich dann mein Fleisch u. meine Wurst kaufen.
Gruß Zahnmaus
Kommentar löschen
Kommentar melden
30.08.2007 | 12.17 Uhr | berlin Bei uns nebenan war vor Jahren ein Zeitschriftenhändler. 8 qm, vollgepackt bis obenhin. Eine Goldgrube! Leute, die von Hürth kamen, mussten dran vorbei, ... und kauften meistens eine Zeitung und Zigaretten. Einmannbetrieb, ein Verkaufsgenie!
 
Mit 50 hörte er auf! Häuschen abbezahlt und genug zurückgelegt. Seine beiden Nachfolger wirtschafteten den Kiosk herunter. Jetzt ist es ein Lager für einen Installateur.
 
Was will ich damit sagen? Morgens um 5 stand der Mann im Laden und abends um 8 immer noch! 6 Tage die Woche! Einmal im Jahr 14 Tage Urlaub, wenn überhaupt! Krank nie!
 
WER MACHT HEUTE NOCH SO WAS? Wo bleiben Fun und Freizeit?
 
Solche Typen und unsere Mütter und Väter haben das Wirtschaftswunder herbeigeführt! Nicht die Softies!
 
Von Nix kütt nix!
 
Ist ja schön, dass Ihr alle den Emmas nachtrauert, aber eingekauft habt Ihr immer im Supermarkt, bei Saturn, Mediamarkt und Realkauf.
Kommentar löschen
Kommentar melden
29.08.2007 | 21.09 Uhr | Tintenfeder Hallo Nachbar -
das Einkaufscenter wird sich selbst erschlagen - die Kunden gehen dann nach Bensberg, weils sie ihre Ruhe wollen. Wir haben nichts mehr davon - aber ich gehe jede Wette ein, dass der letzte grosse Markt Rewe sein wird und H + M.Und die Emmas kommen wieder.
Warum machst Du nicht den Laden weiter? Scheinst der richtige Mann dafür zu sein.
Noch viele wilde Pfirsiche
Tinti
Kommentar löschen
Kommentar melden
29.08.2007 | 18.43 Uhr | Bertha Hallo Wolli,
von mir 5 Punkte für den wahren Bericht über eine leider aussterbende Spezies. Bei den wilden Pfirsichen kann ich Dich beruhigen, wir haben gerade letzten Samstag auf dem Wochenmarkt in Bergisch Gladbach welche gekauft. Sie schmecken wirklich himmlisch, da kann man alle anderen Pfirsiche mit Aufklebern (werden die eigentlich in der Fabrik hergsetllt?) getrost vergessen.
Gruß Bertha
Kommentar löschen
Kommentar melden
29.08.2007 | 18.26 Uhr | kael Nun wollen wir doch alle hoffen, dass sich die anonyme "Geiz-ist-geil-Gesellschaft" irgendwann ausgegeizt hat und wieder zur Individualität zurück findet. Was wir verloren haben, merken wir erst, wenn es zu spät ist.
Kommentar löschen
Kommentar melden
29.08.2007 | 16.26 Uhr | Profil gelöscht wie schade.
 
"Nicht dass ich solo bin, aber meine Frau und ich führen halt eine „moderne“ Ehe, da wo auch der Mann kocht, putzt, wäscht, bügelt."
 
Gut, dass ich ein unmodernes Sololeben fuehren kann, wo der Mann kochen, putzen, waschen und buegeln laesst ;))
Kommentar löschen
Kommentar melden
29.08.2007 | 11.09 Uhr | mattes aus weidenpesch das ist wirklich schade, dass diese kleinen läden immer mehr verschwinden. ich liebe sie auch. wir versuchen die kleinen einzelhändler hier im veedel so gut es geht zu unterstützen.
 
lebensmittel kaufen wir teilweise beim tante-aische-türken um die ecke oder halt samstags auf dem riehler markt.
 
gruss
mattes
Kommentar löschen
Kommentar melden
29.08.2007 | 09.19 Uhr | escape Ja, wenn's nicht so traurig wär! Da kann man nur die kleinen Läden, die's noch gibt, unterstützen.
 
Haste aber schön erzählt.
 
Gruß
 
escape
Kommentar löschen
Kommentar melden
29.08.2007 | 08.47 Uhr | C Koerbchen Sowas ist richtig traurig. Ich liebe solche Lädchen und wir haben das Glück einen hier zu haben. Hoffentlich bleibt er uns noch lange erhalten, denn auch dort bekommt man auf Wunsch einen Kochkursus und jede Menge andere gute Tipps.
Kommentar löschen
Kommentar melden
29.08.2007 | 06.31 Uhr | Zabaione Hallo Lamberz,
genau der war´s, was da jetzt drin ist, weiß ich allerdings nicht.
gruß
Zabaione
Kommentar löschen
Kommentar melden
28.08.2007 | 23.57 Uhr | berlin 5 Sterne
Kommentar löschen
Kommentar melden
28.08.2007 | 22.40 Uhr | ing.lambertz Hallo Wolli4211,
hmm Schnippelbohnesuppe mit Speck, köstlich. Kenn' ich von meiner Mama (ist gestern 92 geworden, nu kocht se nicht mehr, aber ich wohn' ja auch nicht mehr bei ihr :-)).
@Zabaione: war das der Laden an der Ecke Aachener Straße/Brüsseler Straße. Ist da nicht heute ein Japanischer Imbiss ?
Einen Tante-Emma.Laden kann heute nur jemand betreiben, der sich selbst ausbeutet oder eine türkische Großfamilie.
Gruß an euch beide Lambertz
Kommentar löschen
Kommentar melden
28.08.2007 | 22.17 Uhr | Zabaione Hallo Wolli42, in Dasiefen ( ich glaube so hieß der Ort in der Nähe von Bergisch-Gladbach) das waren "drei Häuser" traumhaft (für einen Kölner immi da... siefen sie hin) nix los und ich glaube in der Nähe von Bergisch-Gladbach. Da kam immer ein rollender Lenemsmittelwagen hin, vielleicht kann man dem Bescheid sagen....ansonsten gab es auch mal einen Tante-Emma Laden auf der Aachenerstr. in Köln im Brüsseler Viertel und der Schweinebraten war galaktisch. So schön das für die Kunden ist im Tante Emmaladen einzukaufen, würdest du heute solch ein Engagement bringen und auf deinen Urlaub verzichten..?
gruß
Zabaione
Kommentar löschen
Kommentar melden
Kommentar schreiben
1000/1000
Zeichen übrig
Beitrag suchen
Neu hier? Fragen? Anregungen?
Der direkte Draht zum Stadtrat ist hier. Einfach auf das Icon klicken.