Endlich wieder ein Aki Kaurismäki-Film!
Le Havre Kaurismäkis neuster Film ist einfach zum Verlieben!
Ich glaube, es sind fast fünf oder sechs Jahre her, in denen von Kaurismäki nichts mehr zu sehen war. Aber die Wartezeit hat sich gelohnt. Denn auf Filme von ihm wartet man gern. Warum? Weil nur Kaurismäki die Gabe besitzt, die zutiefst menschlichen Geschicke so darzustellen, dass man am Ende aus dem Film geht und zu sich selber sagt: "Ja, genauso ist das Leben". Das Erleben von Freud und Leid braucht nicht viele Worte.
 
Seine Filme zeichnen sich immer wieder durch bewusst eingesetzten Purismus in den einzelnen Szenen aus, aber auch durch das besondere Minenspiel und die Sprache der Protagonisten. Das gefällt mir ganz besonders.
 
Ein Märchen ganz besonderer Art
 
Aber, wer Liebhaber seiner Filme ist, wie ich, weiß ganz sicher, wovon ich rede bzw. schreibe.
 
Ehrlich gesagt wundert es mich immer wieder, warum so viele Leute in die von der Werbung hochgejubelten Mainstream-Hollywood-Schinken laufen, wo das Gute so nahe liegt und wie immer kaum Beachtung findet.
 
Der neue Film von Kaurismäki, "Le Havre", ist wieder ein besonderer Film, ein modernes Märchen vielleicht, aber dennoch denkt man während des Schauens, bestimmt geht es manchmal so. Oder...ich würde das auch machen.
 
Aber natürlich will ich zuerst auch ein wenig von der Geschichte des Films erzählen. Es ist ein Märchen ganz besonderer Art. Es geht um Flüchtlinge aus Afrika, die in einem Container eingesperrt im Hafen von Le Havre landen. Ihrer fündig wird die Polizei, alle werden inhaftiert, nur einem kleinen Jungen gelingt es zu fliehen.
 

Le Havre: "Ein echter Kaurismäki"
 
Der Junge findet Unterschlupf bei Marcel Max, einem Schuhputzer, der in einfachen Verhältnissen mit seiner Frau Arletty lebt, die wiederum an einem schweren Leiden erkrankt. Während Arletty sich im Krankenhaus einer Behandlung unterzieht, kümmert sich Max um den Jungen.
 
Das Geschehen verläuft ausnahmsweise ein wenig intensiver, spannungsreicher, als bei den anderen Kaurismäki-Filmen. Aber es bleibt immer noch ein echter Kaurismäki. Die Farben, die Bilder, die Sprache, alle Stilmittel werden sehr behutsam und sparsam eingesetzt. Die schrägen Figuren, für die er eine besondere Liebe hegt, auch hier in seinem neusten Film also wieder unverwechselbar Kaurismäki.
 
Man kommt als Zuschauer nicht umhin, für all seine Protagonisten, die irgendwo am Rande der Gesellschaft angesiedelt sind, die ein Leben am Rande des sozialen Abstiegs führen, nicht nur Sympathie, sondern eine warmherzige Liebe zu empfinden. Man mag sie einfach alle, sofort.
 
Kaurismäki ist wahrlich ein Freund der Kleinen, der Armen, der Schwachen und das mag ich so an ihm. Man denkt, wie kann man einen Menschen gern haben, den man nicht kennt. Aber ich schwöre, ich hab ihn ja leider nie kennengelernt, den ollen Finnen, aber ich lieb ihn einfach. Weil, wie ein Buchautor auch, so zeigt Kaurismäki in seinen Filmen auch seine Lebenshaltung, seine Warmherzigkeit, seine Liebe. Man weiß einfach, dass er selber so empfindet, wie er versucht, die Menschen empfinden zu lassen, die sich von seinen Filmen begeistern lassen.
 
Und natürlich, wenn auch dieses mal nicht so allumfassend, wie es sonst in seinen Filmen üblich ist, gibt es in Le Havre wieder Musik. Und natürlich weiß man, dass Kaurismäkis Passion der Rock´n Roll ist. Und den lieb ich natürlich auch.
 
Roberto Piazza, Künstlername Little Bob, alter Haudegen des Rock´n Roll, soll nämlich einspringen, zugunsten und zur Hilfe des Flüchtlingsjungen. Natürlich will er, aber nur, wenn seine ihm angetraute Ehefrau ihm wieder zur Seite steht, denn ohne sie ist seine Stimme nichts, so sagt er.
 

Dieser Film macht glücklich
 
Also, ich fasse zusammen, ein Schuhputzer, Marcel Max, seine Arletty, ein Flüchtlingsjunge, ein Kommissar, der immer irgendwo im Hintergrund herumschleicht und ihm auf den Fersen ist (aber mehr verrat ich nicht), ein Denunziant und viele Helfershelfer aus all dem hat Kaurismäki dieses wunderschöne, moderne Märchen gemacht, dass es möglich macht, dass man am Ende des Films ein wenig glücklicher herausgeht, als man hereingegangen ist. Und daran ändert eben auch nichts, dass es schwer ist, das Leben, dass all diese Menschen führen, dass sie kämpfen müssen mit harten Schicksalsschlägen.
 
Schon allein, dass er das schafft, dafür gebührt ihm Lob über alle Maßen.
 
Und ehrlich...es bleibt nicht wirklich nur ein Märchen. Denn die Botschaft seines Films ist auch, wie die Angst vor dem Gesetz und die Menschlichkeit in den Menschen gegeneinander kämpfen. Und dass es sich lohnt, immer sich immer wieder einzusetzen, um vielleicht sein eigenes oder ein anderes Leben zu retten.
 
Ich glaube, Kaurismäki wollte damit sagen, wacht auf, greift ein, schaut nicht weg, hinter all den Migranten, Flüchtlingen, Einwanderern steht ein schweres und hartes Schicksal. Wenn man allein das Bild vor Augen hat, in dem sich die Tür des Containers öffnet und die Augen der dort innewohnenden Menschen schauen einen einfach nur an, dann hat man das Gefühl, die ganze Welt schaut einen an. Wie ihm das gelungen ist, nur so als Beispiel, dieses eine Bild, diese Szene, ist einfach total schön.
 
Und er ist sich auch bewusst, der Kaurismäki, dass es nicht einfach ist, das Problem des ständig wachsenden Zustroms der Flüchtlinge zu bewältigen. Wo fängt man an, wie geht man es an, was macht man draus. Auch das ist seine Frage, die er an die Zuschauer stellt.
 
Drum...wer wirklich mal wieder einen schönen Kinoabend erleben will, der das Herz und die Seele wärmt, dem sei sein neuster Film Le Havre unbedingt empfohlen. Schaut ihn Euch an, es lohnt sich.
 
Ich hab ihn sicher nicht zum letzten Mal gesehen.
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Kommentare | 1 bis 6 von 6 Kommentieren
12.09.2011 | 16.26 Uhr | Roeschen Hallo Heinz:
 
Das freut mich. Versäum ihm nicht.
 
Für alle Interessierten hier ein Link zu Little Bop, einfach nur der Wahnsinn
 
Ich muß auch das einmal hervorheben, Kaurismäki ist der Einzige Filmemacher, den ich kenne, der es sich wagt und es sich leistet, einen Titel, gespielt von einer Band auch wirklich voll durchzuspielen. Die Zeit muß sein in einem Film und Recht hat er.
 
Und natürlich sucht er sich immer die Localheros aus. So wie in diesem Film auch hier Little Bop!
 
Viel Spaß beim Reinhören ins Video.
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12.09.2011 | 16.01 Uhr | Heinz K Danke für den Tipp. Werd ich mir mal ansehen :)
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10.09.2011 | 08.41 Uhr | Zabaione wat mutt, dat mutt.....escape ? Nicht die Wirklichkeit ist grausam, sondern.....!
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10.09.2011 | 01.33 Uhr | escape Die Wirklichkeit ist so grausam, da geht nix über Märchen :-)
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09.09.2011 | 21.21 Uhr | Zabaione ja superschöner Film, lese es später, bin gerade zurück
lg
Zabaione
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