Kunst vs. Schaf
(Bild: dpa)
Zwei Künstler bauen eine bunte Guillotine und lassen im Internet darüber abstimmen, ob ein lebendiges Schaf mit dieser Guillotine getötet werden soll.
 
Sie nennen das Kunst und sprechen von einer demokratischen Abstimmung, die über das Los eines Tieres entscheidet.
 
Sie nennen es ein "großes Spiel" und rauchen dabei Wasserpfeife.
 
In einem Youtube-Video beschreiben sie den Prozess ihrer "Arbeit" und ich fand es durchaus interessant, zu sehen, wie ein "Kunst"-Objekt entsteht und was die beiden Künstler während der Herstellung bewegt hat. Ein in schrillen Farben daherkommendes Tötungsinstrument hat sicherlich eine tiefere künstlerische Botschaft.
 
Ernstgemeinte Kunstaktion oder Sensationsheische?
 
Diese alleine reicht mir völlig aus, um die gesellschaftliche Kritik, die die Beiden damit ausdrücken wollen, zu verstehen. Das alleine reicht mir auch aus, das künstlerische Bemühen zu würdigen.
 
Allerdings stimme ich überhaupt nicht überein mit einer Abstimmung darüber, ob auf dieser bunten Guillotine ein Schaf getötet werden soll. Ich empfinde es als abstoßend und widerwärtig, ein Lebewesen für diese Aktion ggf. zu töten. Für mich ist es nichts anderes als mangelnde Achtung vor anderen Kreaturen, das Heischen nach Aufmerksamkeit mit krassen Methoden. Es scheint, als errege "normale Kunst" heute nicht mehr genug Öffentlichkeit. Man muss schon mit harten Sachen kommen, um gesehen oder gehört zu werden.
 
Natürlich hat man sich wahrscheinlich nicht ohne Grund ein Schaf für diesen "Versuch" ausgesucht: das Lamm galt schon immer als Opfertier, der Begriff "Lamm Gottes" spielt ja auch in der christlichen Religion eine Rolle.
 
Diese Aktion erinnert mich an den Schweinebauern, der im Internet darüber abstimmen lässt, welches Schwein als nächstes getötet und verwurstet werden soll. Eine für mich ebenso wenig nachvollziehbare Aktion.
 
Kunst soll auch polarisieren
 
Interessant fand ich die Aussagen, dass beide während der "Bauphase" Zweifel an ihrer Arbeit bekommen haben. Dass sie aber weiter gemacht haben. Dass sie sagen, nicht sie sind es, die das tun, sondern etwas geschehe aus ihnen heraus. Dass sie tun, "was getan werden muß". Ich weiß nicht, ob die Beiden diese Dinge bewußt sagen und ob sie wirklich von ihren eigenen Aussagen überzeugt sind. Für mich klingt das schwer nach "künstlerischem Flow mit gewalttätiger, totalitärer Note". Es klingt für mich von der Art her in etwa so, wie sich religiöse Fundamentalisten äußern, die vielleicht tief in ihrem Inneren spüren, dass es nicht richtig sein kann, andere Lebewesen zu töten, es "der Sache wegen" aber doch tun - und sich dann auch noch für Helden halten.
 
Aber: Wer sagt, dass etwas "getan werden muss"? Wer sagt, dass man nicht aufhören kann, wenn Zweifel bestehen?
Wenn man erkennt, dass etwas, dass man tut, nicht richtig ist - warum dann nicht einfach aufhören?
 
Auf der Internetseite der "Künstler" steht das Schaf hinter der Guillotine und das Fallbeil wird fallen gelassen. Das Tier steht daneben und darf das sehen und hören. Schon aus meiner Überzeugung, dass Tiere fühlende Wesen sind, halte ich alleine schon diese Aktion für völlig unnötig, für das Tier zudem sehr stressig, verstörend und verängstigend. Ich persönlich finde es nicht in Ordnung, Lebewesen im Namen der Kunst für derartige Aktionen zu missbrauchen.
 
Die Guillotine selber kann ich als Kunst so stehen lassen und würdigen. Die Benutzung von Tieren zwecks Bekräftigung der künstlerischen Aussage finde ich abartig und es sollte aus Respekt vor anderen Kreaturen auch strafbar sein.
 
Aber es ist den Beiden gelungen: Kunst soll auch polarisieren. Das tut diese bunte Guillotine.
 
"As long as humans think
that animals don´t feel
animals have to feel
that humans don´t think."
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Kommentare | 1 bis 15 von 15 Kommentieren
21.05.2012 | 17.22 Uhr | Transgender Bei mir erregt diese narzistische Selbstdarstellung ohne Können, die uns hier seit Beuys und der Frankfurter Schule als Kunst verhökert und aufgezwungen wird nur noch Langeweile, nicht mal mehr Abscheu.
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21.05.2012 | 12.47 Uhr | Uncites Gehören Schafe nicht grundsätzlich nach einer gewissen Zeit in die Pfanne ?
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21.05.2012 | 10.55 Uhr | Mat711 So eine Abstimmung läuft doch jeden Tag - heimlich mit Messer und Gabel. Die Empörung zeigt doch nur, wie sehr der von allen Seiten manipulierte moderne Mensch in ethische Konflikte verstrickt ist. Gewalt - oh nein, die darf nicht sein. Dabei ist unsere gangz Lebensweise gewalttätig - gegen Tiere, gegen die Natur, gegen arme Menschen, die wir ausbeuten. Aber keine will's gewesen sein. Na ja, das T-Shirt für 4,90€ nehm ich aber trotzdem. Die ganze grüne Öko-Lebensweise ist doch nur Ablasszahlung. Als wenn ein Bio-Schaf freundlich überredet wird, Selbstmord zu begehen, um dann gegessen zu werden.
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19.05.2012 | 20.23 Uhr | checkmate Link
 
Service des Hauses. Sorry für unsere mittelalterliche Technik. Der Verlag DuMont isrt arm wie eine Kirchenmaus.
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19.05.2012 | 19.47 Uhr | BrunoGlas Jungs, die Aktion mit Schaf "Nobert" ist doch schon längstens gelaufen. Hier mein Artikel, der an Klarheit nichts mehr zu wünschen übrig lässt.
 
Gruß aus Berlin, Bruno
 

 
http://forum.spiegel.de/f22/kunstaktion-um-schaf-norbert-kopflos-den-skandal-61154.html#post10197811
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19.05.2012 | 10.04 Uhr | Roland Oeser Die Abstimmung selber war ja nur das i-Tüpfelchen, die Tötung des Schafes war nie wirklich vorgesehen. In Zeiten, in denen über die (a)sozialen Netzwerke Hetze betrieben wird, zu Mobbing aufgerufen oder gar zu Lynchjustiz, ist das eine weitere Möglichkeit, ein Spiegelbild der Gesellschaft zu erstellen. Und diese Gesellschaft ist krank, wenn man sieht, wie viele Menschen ihre Stimme für die Tötung abgegeben haben.
Roland Oeser
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17.05.2012 | 10.46 Uhr | checkmate @ Lemmy
 
Ich mecker ja nicht, aber ich wundere mich.
 
Setz mal einen Beitrag parallel im KStA und bei der Rundschau ein. Leser gibt es da auch massig. Kommentare? Das ist überall ein Problem. Es sei denn, Du provozierst - wie jetzt der Verrückte aus Vene mit "versauten" Versen.
 
Aber Du bist in Ordnung.
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16.05.2012 | 21.33 Uhr | ing.lambertz @checkmate,
 
nee Berlinschen. Der Blog der Rundschau ist doch ganz anders strukturiert. Das ist doch ein Forum. So ungefähr wie hier die Plauderecke.
 
Auch okay. Aber ich will Anderes. Ich möchte Blogs, Beiträge schreiben, Fotos einstellen und Kommentare geben und (hoffentlich) auch erhalten.
 
Das kann ich (noch) hier bei stadtmenschen und eben auch u.a. zu lokalen Themen.
 
Hier fühle ich mich schon wohl und wenn mir wirklich etwas nicht gefällt, dann sage ich das und damit ist es denn auch gut.
 
Ich bin doch letztlich nur Gast hier. Gast, aber mit der Akzeptanz meine Meinung zu sagen.
 
Mein Lämmchen sieht das auch so ;-).
 
Übrigens war ich heute Abend wieder in deiner Nähe. Im Restaurant Sophias Sehr empfehlenswert. Die halten absolut ihr Niveau was Service und Qualität betrifft. Ein Highlight der Kölner Gastronomie. Es war wieder ein sehr schöner Abend.
 
Gruß Lemm(y)i der Schächter
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16.05.2012 | 17.58 Uhr | checkmate Sogar der ekelhafte Kerl aus Vene ist wieder Mitglied bei den Männekens. :-))))))))))
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16.05.2012 | 17.53 Uhr | checkmate So musste ich eigens einen Verein gründen"

Enee, Lemmy, da gibt es 1000 andere Möglichkeiten. Aber du traust dich ja nicht über die Stadtmenschen hinaus. Dein Versuch beí der Rundschau war kümmerlich. "Ich will nur mal was versuchen". hihi Oh Gott, was denken denn die anderen Stammtischler, wenn ich auch woanders schreibe? Das musst du beichten.
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16.05.2012 | 16.16 Uhr | Heinz K Ich als Anthropologe finde das ganz interessant. Wie haben denn die Menschen bisher über das Schicksal des Schafs abgestimmt?
Noch interessanter wäre das, wenn sich verschiedene Menschen für ein Hinrichtungsvotum bereit erklären würden, so daß eventuell ihr eigener Kopf rollen wird.
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16.05.2012 | 08.56 Uhr | Profil gelöscht Die öffentliche Debatte hat einem Nachrichtensender zufolge erreicht, was die "Künstler" sich wohl vorstellten.
 
Ein "Kunstsammler" hat demnach einen siebenstelligen Betrag für die Guillotine geboten/entrichtet, das Schaf befände sich wieder bei seinen Eigentümern.
 
Auf der Suche nach Idioten muss man offenbar nur idiotische Ideen breit treten.
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16.05.2012 | 08.08 Uhr | ing.lambertz Hallo guinnes,
 
auch ich habe mich vor gut einem Jahr auf meine Art mit dem Problem auseinandergesetzt. Leider hatte unser Stadtrat damals die Doppelbödigkeit, ja Vielschichtigkeit meines Textes nicht erkannt und Bedenken und meine Kunst nicht zugelassen.
 
So musste ich eigens einen Verein gründen, um ohne Zensur mein Kunstwerk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
 
Siehe Hier.
 
Lemm(y)i der Belämmerte
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16.05.2012 | 00.38 Uhr | checkmate Als Kunst würde ich das sofort akzeptieren, wenn einer der Künstler sein Geschlechtsorgan da reinhalten würde.
 
Man muss der Kunst Opfer bringen.
(Plato)
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