Am ersten April beginnt traditionell das Sommersemester an den deutschen Hochschulen. Der Tag ist gleichzeitig eine Verheißung an die bundesweit gut zwei Millionen Studenten: Auch in diesem Halbjahr werden sie sich wieder mit Dingen konfrontiert sehen, die ihnen wie ein böser Aprilscherz vorkommen müssen. Die negativen Folgen der Bologna-Reform haben sich in Stundenpläne und Lebensläufe eingefressen und beißen sich dort fest - allen Studentenprotesten und Verbesserungsversuchen von Hochschulen und Politikern zum Trotz.
Auf dem Weg zum Bachelor müssen Studenten meist 180 Punkte sammeln. Aber längst schließen nicht mehr alle Vorlesungen und Seminare mit sechs Punkten ab. Oft gibt es für komplexe und zeitaufwendige Veranstaltungen nur drei Punkte, was dazu führt, dass Studierende auf ihrem Weg zum ersten Abschluss kaum vorankommen. Eine Unsitte ist es auch, wenn zwei frühere Diplom-Vorlesungen in kaum abgespeckter Form in eine Bachelor-Prüfung gepresst werden. Obwohl es also ein und dieselbe Klausur ist, müssen beide Teile bestanden werden. Der sogenannte Workload soll den Zeitaufwand für einzelne Module abbilden, ist aber letztlich nur die Rechtfertigung dafür, Bachelor-Studenten einen Gutteil des Diplom-Pensums aufzuhalsen.
Diplom-Vorlesungen in Bachelor-Prüfung gepresst
Unverständnis in der Studierendenschaft erregt es auch, wenn die Universitäten Geld horten. An der Universität Göttingen wird wie überall in Niedersachsen, NRW, Baden-Württemberg und Bayern erst einmal das Maximum an Gebühren kassiert. Das macht pro Halbjahr und Student 500 Euro - ganz zu schweigen von den 200 Euro Semesterbeitrag. Das Geld soll in die Lehre fließen. Man könnte damit interessante Gastdozenten verpflichten, zusätzliche Tutoren bezahlen, eine Video-Aufzeichnung der Vorlesungen finanzieren oder neue Bücher anschaffen. Das passiert auch - allerdings in viel zu geringem Umfang, obwohl sich die Professoren stets bemühen, an jedes neue Buch und jeden neuen Service das Etikett "gebührenfinanziert" zu heften. Acht Millionen Euro soll alleine die Universität Göttingen angespart haben. Einerseits ist es ja schon lobenswert, dass sie damit keine Toiletten saniert. Andererseits stimmt es bedenklich, wenn sie das Geld nicht einmal loswird, obwohl sie es teilweise wieder verschenkt. So bekommen Studenten einzelner Fakultäten zu jedem Semester ein Druckguthaben in Höhe von 25 Euro zugeteilt. Es kann nur einen Schluss geben: Die Universitäten müssen die Gebühren im Vorhinein fair berechnen und nach unten anpassen!
Die ersten Bachelorabsolventen haben mittlerweile den Markt betreten. Viele dürften festgestellt haben, dass sie in "der Wirtschaft" weniger willkommen sind als gedacht. Obwohl es "die Wirtschaft" war, die die Bologna-Reformen gefordert hat, zeigen sich die Unternehmen überrascht, dass ihre neuen jungen Mitarbeiter oft so gar keine Praxiserfahrung haben. Kann das wirklich überraschen, wenn die Studiengänge so überladen sind, dass keine Zeit für ein Praktikum oder einen Nebenjob bleibt? Weil das Gymnasium nun nur noch 8 Jahre dauert und auch der Wehrdienst wegfällt, werden die Absolventen künftig noch jünger. Ich kenne schon jetzt Fälle, in denen 22-Jährige nur deshalb einen Doktor anhängen, weil sie befürchten, als "Jüngelchen" in den Unternehmen nicht ernst genommen zu werden. Diplomanden waren beim Eintritt ins Berufsleben vielleicht älter, standen aber wenigstens bereits im Leben und brachten etwas Erfahrung aus der beruflichen Praxis mit.
Bachelorabsolventen in der Wirtschaft wenig willkommen
Es darf auch unterstellt werden, dass sie freigeistiger waren. Wo man früher Seminarthemen mit selbst gewählten Texten vorbereiten konnte, werden heute auswendig gelernte Fakten erwartet. Zur nächsten Sitzung lesen alle den gleichen Text. Das ist so wie in der Grundschule, als die Mathelehrerin allen die Rechenaufgaben 1c bis 1f auftrug.
Es wäre schön, wenn die Zustände an deutschen Universitäten nur ein Aprilscherz wären. Leider aber sind sie traurige Realität.
Auf dem Weg zum Bachelor müssen Studenten meist 180 Punkte sammeln. Aber längst schließen nicht mehr alle Vorlesungen und Seminare mit sechs Punkten ab. Oft gibt es für komplexe und zeitaufwendige Veranstaltungen nur drei Punkte, was dazu führt, dass Studierende auf ihrem Weg zum ersten Abschluss kaum vorankommen. Eine Unsitte ist es auch, wenn zwei frühere Diplom-Vorlesungen in kaum abgespeckter Form in eine Bachelor-Prüfung gepresst werden. Obwohl es also ein und dieselbe Klausur ist, müssen beide Teile bestanden werden. Der sogenannte Workload soll den Zeitaufwand für einzelne Module abbilden, ist aber letztlich nur die Rechtfertigung dafür, Bachelor-Studenten einen Gutteil des Diplom-Pensums aufzuhalsen.
Diplom-Vorlesungen in Bachelor-Prüfung gepresst
Unverständnis in der Studierendenschaft erregt es auch, wenn die Universitäten Geld horten. An der Universität Göttingen wird wie überall in Niedersachsen, NRW, Baden-Württemberg und Bayern erst einmal das Maximum an Gebühren kassiert. Das macht pro Halbjahr und Student 500 Euro - ganz zu schweigen von den 200 Euro Semesterbeitrag. Das Geld soll in die Lehre fließen. Man könnte damit interessante Gastdozenten verpflichten, zusätzliche Tutoren bezahlen, eine Video-Aufzeichnung der Vorlesungen finanzieren oder neue Bücher anschaffen. Das passiert auch - allerdings in viel zu geringem Umfang, obwohl sich die Professoren stets bemühen, an jedes neue Buch und jeden neuen Service das Etikett "gebührenfinanziert" zu heften. Acht Millionen Euro soll alleine die Universität Göttingen angespart haben. Einerseits ist es ja schon lobenswert, dass sie damit keine Toiletten saniert. Andererseits stimmt es bedenklich, wenn sie das Geld nicht einmal loswird, obwohl sie es teilweise wieder verschenkt. So bekommen Studenten einzelner Fakultäten zu jedem Semester ein Druckguthaben in Höhe von 25 Euro zugeteilt. Es kann nur einen Schluss geben: Die Universitäten müssen die Gebühren im Vorhinein fair berechnen und nach unten anpassen!
Die ersten Bachelorabsolventen haben mittlerweile den Markt betreten. Viele dürften festgestellt haben, dass sie in "der Wirtschaft" weniger willkommen sind als gedacht. Obwohl es "die Wirtschaft" war, die die Bologna-Reformen gefordert hat, zeigen sich die Unternehmen überrascht, dass ihre neuen jungen Mitarbeiter oft so gar keine Praxiserfahrung haben. Kann das wirklich überraschen, wenn die Studiengänge so überladen sind, dass keine Zeit für ein Praktikum oder einen Nebenjob bleibt? Weil das Gymnasium nun nur noch 8 Jahre dauert und auch der Wehrdienst wegfällt, werden die Absolventen künftig noch jünger. Ich kenne schon jetzt Fälle, in denen 22-Jährige nur deshalb einen Doktor anhängen, weil sie befürchten, als "Jüngelchen" in den Unternehmen nicht ernst genommen zu werden. Diplomanden waren beim Eintritt ins Berufsleben vielleicht älter, standen aber wenigstens bereits im Leben und brachten etwas Erfahrung aus der beruflichen Praxis mit.
Bachelorabsolventen in der Wirtschaft wenig willkommen
Es darf auch unterstellt werden, dass sie freigeistiger waren. Wo man früher Seminarthemen mit selbst gewählten Texten vorbereiten konnte, werden heute auswendig gelernte Fakten erwartet. Zur nächsten Sitzung lesen alle den gleichen Text. Das ist so wie in der Grundschule, als die Mathelehrerin allen die Rechenaufgaben 1c bis 1f auftrug.
Es wäre schön, wenn die Zustände an deutschen Universitäten nur ein Aprilscherz wären. Leider aber sind sie traurige Realität.
Schlagworte: Uni | Universität Göttingen | Universität | Studiengebühren | Bologna-Reform | Aprilscherz
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11.04.2011 | 14.53 Uhr | checkmate
und was genau, schlägst Du vor, soll ich tun?
Ich bin ja gern behilflich.
Ich bin ja gern behilflich.
03.04.2011 | 08.05 Uhr | ing.lambertz
Hallo SHM,
Uni, Technische Hochschule, ist ja nicht mehr mein Ding. Ich werde dennoch hier die Texte unter Campus lesen, um mich ein wenig kundig zu machen.
Das, ganz ehrlich, nicht aus allgemeinem Interesse für diesen Bereich, dafür ist es zuweit weg von mir, sondern aus dem Gedanken, dass mein Enkelsohn in drei/vier Jahren vielleicht auch studieren wird.
Es kann ja nicht schaden, wenn ich nicht ganz uniformiert bin über den Bereich der Hochschulen und Universitäten.
Überladen fühlte ich mich auch manchmal bei meinem Studium zum Bauingenieur in Aachen. So viele Fächer, so viele Übungen, für die man oft Wochen brauchte, sie fertig zu stellen. Aber am Ende brauchte man für die Prüfungen ja nicht alles zu wissen. Es war wichtig, dass man sich gezielt, auch zum Teil mit Hilfe von (teuren) Repetitorrn auf die Prüfungen vorbereitete.
Mut zur Lücke war wichtig und das beherrschte ich gut ;-). Außerdem kam mir mein leichterer Zugang zur Mathematik zugute.
Gruß Lambertz
Uni, Technische Hochschule, ist ja nicht mehr mein Ding. Ich werde dennoch hier die Texte unter Campus lesen, um mich ein wenig kundig zu machen.
Das, ganz ehrlich, nicht aus allgemeinem Interesse für diesen Bereich, dafür ist es zuweit weg von mir, sondern aus dem Gedanken, dass mein Enkelsohn in drei/vier Jahren vielleicht auch studieren wird.
Es kann ja nicht schaden, wenn ich nicht ganz uniformiert bin über den Bereich der Hochschulen und Universitäten.
Überladen fühlte ich mich auch manchmal bei meinem Studium zum Bauingenieur in Aachen. So viele Fächer, so viele Übungen, für die man oft Wochen brauchte, sie fertig zu stellen. Aber am Ende brauchte man für die Prüfungen ja nicht alles zu wissen. Es war wichtig, dass man sich gezielt, auch zum Teil mit Hilfe von (teuren) Repetitorrn auf die Prüfungen vorbereitete.
Mut zur Lücke war wichtig und das beherrschte ich gut ;-). Außerdem kam mir mein leichterer Zugang zur Mathematik zugute.
Gruß Lambertz









