Piratenpartei: das Netzmitmachen aller?
Klausens und die Piratenpartei: ein Bild
klau|s|ens, im internet ist alles so leicht. alle machen mit. klick, klick, klick: meinung, vision, kommentar, abstimmung.
 
ach, zweitklausens, das ist doch das gefährliche.
 
wieso?
 
da ist ganz offensichtlich der mord in emden ... und daraufhin der mob im internet. es zeigt: mit wenigem tun kann man menschen benennen, erfassen, diffamieren und denunzieren. das ist keinerlei "kultur", sondern eine unkultur.
 
aber ich meine nicht emden. ich meine andere dinge. das war doch dieser facebook-mensch aus israel, der – ganz lieb von unten, von der basis mensch aus – meinte: ich liebe den irak. oder: wir lieben den irak. so genau weiß ich es nicht.
 
und?
 
zack hatte der tausende follower. oder die gruppe.
 
und weiter?
 
das ist doch eine politische aktion, die früher so nie denkbar wäre. über nacht erstellt, über nacht hatte man tausende von "freunden" oder der-gruppe-folgenden. und über nacht auch schon im fernsehen. wenn das nichts ist!
 
aber, zweitklausens, es ist doch nur ein glühwürmchen. wie schnell ist es vorbei. alle, die "freunde" wurden oder der "gruppe beitreten" in die tat umsetzten, die hatten doch nur einen klick zu tun. das ist doch keine politische leistung. das ist doch eher wie ein hüsteln. und schon ist diese seite wieder vergessen und bei anderen wird angeklickt.
 
meinst du?
 
ich denke, dass diese dinge total überbewertet werden, weil es keine leistung ist, eine zehntelsekunde irgendwo zustimmend zu klicken. ein kleiner oberflächlicher kommentar wie "finde ich auch" (getippt) kostet (als zusatz) dann nur wenige halbsekunden mehr. sekündlein. nicht mehr. wo ist da das demokratische handeln?
 
ach so ...
 
du wirkst enttäuscht.
 
ich hatte mir alles so schön vorgestellt: diese volksbewegung im netz. sobald etwas böses geschieht, wehrt sich das netz und schlägt ins imperium des bösen zurück.
 
ja, es klingt gut. aber die wahrheit ist so fahl und seicht. wenn jemand eine gruppe gründet wie"benzinpreise runter!" (vielleicht gibt es die schon), dann wird er auch schnell ein große "gruppe" herbeizaubern können. alle machen klick, klick, klick: benzinpreise runter. ja. ja. oder eine gruppe "pendlerpauschale rauf!" (es lebe der ADAC in seiner plumpen direktheit!) ... und dann klicke ich mich da ein. – es steckt aber bei mir als klickendem nicht mehr dahinter als ein hüsteln. wisse das!
 
und was war mit dem bösen afrikanischen führer. diesem guerillamenschen, wo man dieses youtube-video hatte. wo alle aufgefordert werden sollten, nach diesem verbrecher zu suchen?
 
du meinst solcherlei zeilen: "Das Video über den Kriegsverbrecher Joseph Kony bewegte Millionen." und: "Montag wurde das halbstündige Video 'Kony 2012' bei Youtube online gestellt, bis zum Samstagnachmittag ist es dort nun schon weit mehr als 65 Millionen Mal angesehen (oder zumindest angeklickt) worden." – es geht um jenen gesuchten (un)menschen aus uganda.
 
na, war das nichts?!
 
doch: die zahlen sind beeindruckend. aber hier geht es um eine erzeugte öffentlichkeit. um bekanntheit. das ansehen des videos oder das weiterleiten des videos an freunde und bekannte gehörte ein paar tage zum guten ton des gesellschaftlichen lebens, z. b. in westeuropa. aber mehr oder weniger sagt es nicht aus. kony ist bekannt ... und doch schon wieder vergessen.
 
wieso sagt es nicht viel aus?
 
weil es eine mode war, das video weiterzuleiten. ich weise immer wieder darauf hin: die menschen posten bei FACEBOOK, haben aber nichts zu sagen.
 
die menschen haben nichts zu sagen?
 
viele menschen haben nichts zu sagen. sie wollen aber posten und viral aktiv sein. da kommt so eine anti-kony-kampagne wunderbar!
 
endlich kann man etwas posten.
 
genau: sonst postet man katzenfotos und musikvideos, nun aber kann man "das gute" posten ... und zudem ein angesagtes video. das ganze ist ein hype. und so sollte man es auch ansehen.
 
also keine demokratie von unten?
 
ich würde sagen, dass das weiterleiten oder posten eine videos/videolinks noch keine große "demokratie". es ist eher wie ein hüsteln. manchmal wird daraus ein böser und oberflächlicher mob.
 
aber auf dieses hüsteln scheint die piratenpartei zu setzen. die neue demokratie via der neuen internet- und computermedien.
 
ich sehe die sache anders. ganz, ganz anders. es geht um moden und stimmungen und labels und marken und gefühle. (und wie der fall emden zeigt: überall lauert zudem der mob in seiner schlimmsten und dümmlichsten ausprägung.)
 
kein grund zur netzokratie-euphorie?
 
keinesfalls. keinesfalls.
 
darf ich ich das jetzt posten?
 
tue das. wir verändern mit jedem pups die welt. was immer es sei.
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Kommentare | 1 bis 2 von 2 Kommentieren
09.04.2012 | 00.18 Uhr | Holzauge Es ist im Internet und soll wahr und richtig sein.
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30.03.2012 | 15.09 Uhr | Jeannette Hollmann Das Netzmitmachen aller betrifft aber nicht ausschliesslich die Piratenpartei und sie hats auch nicht erfunden, sie nutzt es als Medium und lebt von ihm. Da gibt es aber noch andere Kommunikationsquellen, die sie offensichtlich nicht drauf hat. Und wenn, dann reichlich manipulativ-geklaut-durchschaubar... Beihnahe ware ich auf Deine Schlagzeile reingefallen, aber auch ich amüsiere mich über ihre Einfachheit. Das Ganze ist jedoch nicht mehr lustig, wenn sie ihre schwankenden Ziele durchsetzen wollen. Für mich ist diese Partei ein maskulistisches Unternehmen mit einer schlechten Verkaufsstrategie!
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