So ganz abgeschworen hat die Kölner F.D.P. der substanzarmen Effekthascherei offenbar noch nicht: Unvergessen, wie Guido Westerwelle im Wahlkampf 2002 mit dem „Guido-Mobil“ und seinen „18-Prozent“-Profilsohlenschuhen durch die Lande zog. Seriös war das kaum, doch auch zur Europawahl 2009 im kommenden Monat plakatiert die örtliche F.D.P. nun: „Die Kölnerin für Europa! Dr. Silvana Koch-Mehrin“. So ganz seriös ist auch das nicht.
In der einschlägigen Enzyklopädie für Menschen mit gesunder Halbbildung, in der „Wikipedia“ also, findet sich nämlich unter dem Schlagwort „Silvana Koch-Mehrin“ die Auskunft: „ … geboren am 17. November … in Wuppertal“.
In Wuppertal! Dieser Geburtsort im Bergischen Land wäre für sich genommen kein Hinderungsgrund, mit Frau Koch-Mehrin als „kölscher“ Politikerin im Wahlkampf Reklame zu machen.
Die Kölner Seele hat bekanntlich einen großen Magen (so führt beispielsweise Grevens „Kölner Personenlexikon“ auch so ortfremde Menschen wie Kaiser Neros blutrünstige Mutter auf vermutlich, weil immer noch eine hiesige Badeanstalt nach ihr benannt ist).
Warum also nicht auch Silvana Koch-Mehrin zur ganz speziell K ö l n e r Kandidatin erklären, hat sie doch dem Vernehmen nach einige Zeit auf Schulen, hier, in dieser Stadt verbracht?
Warum also nicht? Man darf Frau Koch-Mehrin zu dieser Frage höchstselbst zitieren, selbst wenn mein (zugegebenermaßen: zugezogen) kölsches Herz dabei blutet.
Auf die Frage, warum sie bei der letzten Europawahl 2004 vom F.D.P.-Landesverband Baden-Württemberg und nicht von den NRW-Liberalen nominiert worden sei, antwortete Koch-Mehrin seinerzeit nämlich:
„Weil ich zwar in Köln zur Schule gegangen bin, aber nie in der NRW-FDP Mitglied war. Aber eine ganze Zeit in Baden-Württemberg. So bin ich in meinen Heimatverband zurückgekehrt […]“
(Quelle: Interview unter europa-digital.de)
Nach eingefleischtem kölschem Lokalpatriotismus, der sich ja gerade in der schwäbisch-badischen Diaspora hätte zeigen müssen, klingt das jedenfalls nicht.
Nun könnte Frau Koch-Mehrin sich natürlich auch durch besondere politische oder als promovierte Akademikerin wissenschaftliche Leistungen um die Domstadt verdient gemacht haben. Hat Köln also etwa ein spezifisch politisches Interesse daran, von Koch-Mehrin im Europaparlament repräsentiert zu werden?
Auch auf die Gefahr hin, dass es ein bisschen boshaft ist, ist man versucht, erneut Frau Dr. Koch-Mehrin selbst zu zitieren, diesmal mit einem Statement aus der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“:
„Für die inhaltliche Arbeit in Brüssel und Straßburg sind andere in der FDP-Gruppe zuständig: Wolfgang Klinz eben, Alexander Alvaro oder Holger Krahmer“, heißt es dort aus ihrem Munde, in der Ausgabe vom 22. Dezember 2008.
Hendrick Kafsack, der „FAS“-Autor findet für Dr. Koch-Mehrins Tätigkeit im Europaparlament im Übrigen wohl auch wegen dieses Selbsbekenntnisses wenig schmeichelhafte Worte:
„Berichte, auf denen die Arbeit des Europäischen Parlaments fußt, hat sie seit der Europa-Wahl 2004 nicht übernommen. Wortmeldungen im Plenum sind selten. Da sind andere Europaabgeordnete sehr viel produktiver.“
Eine leicht zu findende Spur hat Dr. Silvana Koch-Mehrin über die akutellen F.D.P.-Plakate im Straßenbild hinaus immerhin in Köln hinterlassen: In der Universitätsbibliothek findet sich ihre Doktorarbeit, vorgelegt in Heidelberg im Jahr 2000, gedruckt in Baden-Baden im Jahr darauf. Ob sich aber viele Kölner Studentinnen und Studenten der Geschichts- oder Wirtschaftswissenschaften auf ihre Dissertation unter dem Titel „Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik. Die Lateinische Münzunion 1865-1927“ stürzen (oder stützen) werden?
Mein sehr subjektiver Eindruck: Es handelt sich, von ein paar Druckfehlern abgesehen, einerseits um eine handwerklich solide Arbeit zu jenem währungspolitischen Zusammenschluss, den im (vor-) vergangenen Jahrhundert Länder wie Frankreich, Belgien oder die Schweiz als so genannte „Lateinische Münzunion“ bildeten (darum „Francs“ bzw. „Franken“).
Das, was ich aber andererseits an wissenschaftlichen Arbeiten jedenfalls von der Dissertation an „aufwärts“ oft schätze, fehlt mir hier: Ich kann keine vorwärtsweisende, „spannende“ oder die Wissenschaft befruchtende Aussage in diesem Werk finden.
Immerhin ist aber, wie der Vorspann verrät, die wissenschaftliche (Abschluss-) Arbeit von Frau Dr. Silvana Koch-Mehrin durch die Friedrich-Naumann-Stiftung aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Technologie gefördert worden. Und diese Einrichtungen fördern bekanntlich nicht jeden Hinz-und-Kunz-Doktoranden. Folglich wird wohl nur mir der wissenschaftliche Tiefgang unerschlossen geblieben sein.
Insofern darf ich doch hoffen, dass Frau Dr. Koch-Mehrin als Abgeordnete des demnächst neu gewählten Europa-Parlaments die Kölnerinnen und Kölner mit - auch in Köln anzutreffender - wissenschaftlicher Tiefgründigkeit und einem in der kölschen Kommunalpolitik ja durchaus geläufigem Sachverstand vertreten wird.
In der einschlägigen Enzyklopädie für Menschen mit gesunder Halbbildung, in der „Wikipedia“ also, findet sich nämlich unter dem Schlagwort „Silvana Koch-Mehrin“ die Auskunft: „ … geboren am 17. November … in Wuppertal“.
In Wuppertal! Dieser Geburtsort im Bergischen Land wäre für sich genommen kein Hinderungsgrund, mit Frau Koch-Mehrin als „kölscher“ Politikerin im Wahlkampf Reklame zu machen.
Die Kölner Seele hat bekanntlich einen großen Magen (so führt beispielsweise Grevens „Kölner Personenlexikon“ auch so ortfremde Menschen wie Kaiser Neros blutrünstige Mutter auf vermutlich, weil immer noch eine hiesige Badeanstalt nach ihr benannt ist).
Warum also nicht auch Silvana Koch-Mehrin zur ganz speziell K ö l n e r Kandidatin erklären, hat sie doch dem Vernehmen nach einige Zeit auf Schulen, hier, in dieser Stadt verbracht?
Warum also nicht? Man darf Frau Koch-Mehrin zu dieser Frage höchstselbst zitieren, selbst wenn mein (zugegebenermaßen: zugezogen) kölsches Herz dabei blutet.
Auf die Frage, warum sie bei der letzten Europawahl 2004 vom F.D.P.-Landesverband Baden-Württemberg und nicht von den NRW-Liberalen nominiert worden sei, antwortete Koch-Mehrin seinerzeit nämlich:
„Weil ich zwar in Köln zur Schule gegangen bin, aber nie in der NRW-FDP Mitglied war. Aber eine ganze Zeit in Baden-Württemberg. So bin ich in meinen Heimatverband zurückgekehrt […]“
(Quelle: Interview unter europa-digital.de)
Nach eingefleischtem kölschem Lokalpatriotismus, der sich ja gerade in der schwäbisch-badischen Diaspora hätte zeigen müssen, klingt das jedenfalls nicht.
Nun könnte Frau Koch-Mehrin sich natürlich auch durch besondere politische oder als promovierte Akademikerin wissenschaftliche Leistungen um die Domstadt verdient gemacht haben. Hat Köln also etwa ein spezifisch politisches Interesse daran, von Koch-Mehrin im Europaparlament repräsentiert zu werden?
Auch auf die Gefahr hin, dass es ein bisschen boshaft ist, ist man versucht, erneut Frau Dr. Koch-Mehrin selbst zu zitieren, diesmal mit einem Statement aus der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“:
„Für die inhaltliche Arbeit in Brüssel und Straßburg sind andere in der FDP-Gruppe zuständig: Wolfgang Klinz eben, Alexander Alvaro oder Holger Krahmer“, heißt es dort aus ihrem Munde, in der Ausgabe vom 22. Dezember 2008.
Hendrick Kafsack, der „FAS“-Autor findet für Dr. Koch-Mehrins Tätigkeit im Europaparlament im Übrigen wohl auch wegen dieses Selbsbekenntnisses wenig schmeichelhafte Worte:
„Berichte, auf denen die Arbeit des Europäischen Parlaments fußt, hat sie seit der Europa-Wahl 2004 nicht übernommen. Wortmeldungen im Plenum sind selten. Da sind andere Europaabgeordnete sehr viel produktiver.“
Eine leicht zu findende Spur hat Dr. Silvana Koch-Mehrin über die akutellen F.D.P.-Plakate im Straßenbild hinaus immerhin in Köln hinterlassen: In der Universitätsbibliothek findet sich ihre Doktorarbeit, vorgelegt in Heidelberg im Jahr 2000, gedruckt in Baden-Baden im Jahr darauf. Ob sich aber viele Kölner Studentinnen und Studenten der Geschichts- oder Wirtschaftswissenschaften auf ihre Dissertation unter dem Titel „Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik. Die Lateinische Münzunion 1865-1927“ stürzen (oder stützen) werden?
Mein sehr subjektiver Eindruck: Es handelt sich, von ein paar Druckfehlern abgesehen, einerseits um eine handwerklich solide Arbeit zu jenem währungspolitischen Zusammenschluss, den im (vor-) vergangenen Jahrhundert Länder wie Frankreich, Belgien oder die Schweiz als so genannte „Lateinische Münzunion“ bildeten (darum „Francs“ bzw. „Franken“).
Das, was ich aber andererseits an wissenschaftlichen Arbeiten jedenfalls von der Dissertation an „aufwärts“ oft schätze, fehlt mir hier: Ich kann keine vorwärtsweisende, „spannende“ oder die Wissenschaft befruchtende Aussage in diesem Werk finden.
Immerhin ist aber, wie der Vorspann verrät, die wissenschaftliche (Abschluss-) Arbeit von Frau Dr. Silvana Koch-Mehrin durch die Friedrich-Naumann-Stiftung aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Technologie gefördert worden. Und diese Einrichtungen fördern bekanntlich nicht jeden Hinz-und-Kunz-Doktoranden. Folglich wird wohl nur mir der wissenschaftliche Tiefgang unerschlossen geblieben sein.
Insofern darf ich doch hoffen, dass Frau Dr. Koch-Mehrin als Abgeordnete des demnächst neu gewählten Europa-Parlaments die Kölnerinnen und Kölner mit - auch in Köln anzutreffender - wissenschaftlicher Tiefgründigkeit und einem in der kölschen Kommunalpolitik ja durchaus geläufigem Sachverstand vertreten wird.
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22.05.2009 | 16.32 Uhr | markam
Man braucht nur ihre Dissertation lesen, dort sollte "geboren in Wuppertal" stehen. Dieser Slogan der Kölnerin ist für die dumme Masse vielleicht ein Wahlgrund, wobei sie zumindets einen vernünftigen öffentlichen AUftritt hat. Vergesst nicht, auch Guido betrachtet sich nicht mehr als Bonner (siehe Kulturfrühstück) sondern nur noch als Deutscher.
13.05.2009 | 12.17 Uhr | provo
Nicht jeder Hinz und Kunz.... Natürlich nicht, die Friedrich-Naumann-Stiftung ist eine "parteinahe Stiftung der FDP"
(Wikipedia), und in welcher Partei ist die geförderte Stipendiatin Frau Dr. Koch-Merin?....
Aha......
(Wikipedia), und in welcher Partei ist die geförderte Stipendiatin Frau Dr. Koch-Merin?....
Aha......
12.05.2009 | 18.28 Uhr | goronim
also in brüsel gilt sie als heißluft-düse. viel wind, kommt aber nix rechtes raus. sagt ja auch der artikel, den auch ich super fand. also wer so was bitte wählen soll???????
11.05.2009 | 12.28 Uhr | markam
Sie ist scheinbar näher an Köln als der FDP-Vorsitzende, der bekanntlich aus Bonn kommt. Beim gestrigen Kulturfrühstück bekannte er sich nicht zu seiner Heimat sonder verwies nur auf Deutschland. Einen für einen Rheinländer eher ungewöhnliche Identität.
11.05.2009 | 12.28 Uhr | markam
Sie ist scheinbar näher an Köln als der FDP-Vorsitzende, der bekanntlich aus Bonn kommt. Beim gestrigen Kulturfrühstück bekannte er sich nicht zu seiner Heimat sonder verwies nur auf Deutschland. Einen für einen Rheinländer eher ungewöhnliche Identität.
10.05.2009 | 11.25 Uhr | doppelverdiener
Auch wenn ich sie nicht wählen würde. Da muss man halt toleranter sein, mit dem Zuzug. Immerhin gibt es ja auch einen rechtsextremen Debattierclub, der sich Pro-Köln schimpft. Die Führungsriege wohnt dabei weder in Köln, noch ist sie dort geboren. Nach den ganzen Klüngelereignissen in den letzten 2 Jahren (CDU-Spenden, Archiv, SPD-Doktorkauf) ist es vielleicht ein Qualitätsmerkmal, wenn man nicht aus Köln ist.
09.05.2009 | 14.16 Uhr | paperback writer
Das eine sehr schöne, unterhaltsame wissenschaftliche Arbeit, die in ihrer Recherche sicher auch sehr mühselig war. Prima!
Ob Frau Dr. Koch-Mehring aus Köln oder sonstwoher zum freidemokratischen Politeln nach Brüssel oder sonstwohin zieht, interssiert mich nur wenig.
Als Aktivistin für Köln oder sonst jemanden ist sie mir bisher nicht aufgefallen und wird es wohl auch in Zukunft nicht. Aber sei's drum....
Ob Frau Dr. Koch-Mehring aus Köln oder sonstwoher zum freidemokratischen Politeln nach Brüssel oder sonstwohin zieht, interssiert mich nur wenig.
Als Aktivistin für Köln oder sonst jemanden ist sie mir bisher nicht aufgefallen und wird es wohl auch in Zukunft nicht. Aber sei's drum....
09.05.2009 | 11.01 Uhr | berlin
@ A-Jay
"über'm Bett."?
Hinter oder vor der Sixtinischen Madonna?
"über'm Bett."?
Hinter oder vor der Sixtinischen Madonna?
09.05.2009 | 10.56 Uhr | berlin
Was soll der Möllemann schon machen? Ab und zu dreht er sich rum. Große andere Möglichkeiten hat er ja nicht mehr! Manchmal trifft er sich auch mit dem Uwe Barschel.
07.05.2009 | 12.24 Uhr | A-Jay
Lange Rede - kurzer Sinn: Abhängen würde ich es nicht, hinge es denn über'm Bett.
Sieht doch ganz appetitlich aus, Frau Dr. Koch-Mehrin. ;)
Sieht doch ganz appetitlich aus, Frau Dr. Koch-Mehrin. ;)



















