Zugegeben es war mein erster "Photowalk". Photowalken, mich erinnert dieses furchtbare Wort an Wäsche walken. Nach Moonwalkern, Walkmännern und Handys geht aber auch photowalken durch. Der Ei Ti Bereich kennt es nicht anders. Wo war ich stehen geblieben? Achja, photowalken kann Frau auch alleine, ist sie auch gewohnt. Es war eher die Frage, wie funktioniert das Fotografieren in einer Gruppe? Stürzen sich alle auf dasselbe Motiv? Lustige Vorstellung. Muss man sich, wie im Studium geschehen, dort wo sich alle positionieren, einfach in die Mitte stellen um die beste Perspektive zu ermitteln? Hinzu kommen ganz pragmatische Fragen: welche Ausrüstung, sprich welche Objektive, welches Stativ, was mache ich bei Regen? Last not least die Kleidungsgfragen, welche Tasche, welche Schuhe, wieviel Zwiebellook, wie wetterfest. Die Entscheidungsfindung musste relativ flott gehen, ich bin mit der Bahn angereist, früh aufgestanden, habe aus dem Fenster geschaut und mich über den sonnigen Morgen gefreut. Köln ist nicht weit weg, wenn hier die Sonne scheint,wird das dort genauso sein. Dachte ich, verzichtete auf Wetterjacke für mich und Plastikummantelung für die Kamera, zog meine Lieblingsschuhe an (trotz Hacken, Frauen sind furchtbar, sie sehen alles :)), packte Objektive und mittelschweres Stativ in meine Kameratasche und fuhr um die Mittagszeit in den völlig vernebelten Kölner Bahnhof ein.
Per Handy verständigte ich mich mit Luiza von lenormandcafe (Initiatorin und Kölner Fotobloggerin), die mich mit zum Friedhof nahm. Dort trafen nach und nach die anderen Teilnehmer ein, kurze Vorstellungsrunde mit Mia vom KSTA, Posieren fürs Gruppenfoto, die Stadträtin im unvergessenen Einsatz. Wir bekamen einen ausgearbeiteten Friedhofsplan auf dem bekannte Motive bereits eingezeichnet waren, teilten uns in kleinere Gruppen auf und verabredeten den nächsten Treffpunkt am Grab des Willy Millowitsch.
 
So atemlos, wie ich dies schreibe, habe ich mich auch etwas gefühlt. Der ersten Eindrücke gab es viele, der Ort an sich, die Gespräche, die Mitmacher … und schon marschierten wir in die, haste gedacht, andere Richtung. Aufgehalten hat mich bereits der erste Objektivwechsel, angesichts der vielen Statuen, disponierte ich von Weitwinkel auf ein leichtes Teleobjektiv um (100 mm Brennweite, Cropkamera) und verlor gleich zu Anfang schon etwas den Anschluss. Nein, so ging das nicht. Ich beschloss mich auf das Fotografieren zu konzentrieren und die Richtung der Anderen grob im Auge zu behalten, sonst würde ich an allem vorbei stürmen, ohne letztendlich etwas gesehen zu haben. Außerdem musste ich überlegen, wie ich das Thema "Melaten" angehe. Absolut inspirierend war das Herbstwetter, vor allem die großen Bäume, die fallenden Blätter, das überwiegende Gelb der Umgebung. Es wäre zu schade nur Engel und Sensenmänner zu fotografieren und diese Umgebungsstimmung zu vernachlässigen. Ich wollte: Friedhofszenerie in Gesamtszenen und Details, zusätzlich der hier zu findenden Steinmetzarbeiten, kurz: alles. Die Gruppe bog um die Ecke, ich verlor sie aus dem Blick und mich auf dem Friedhof. Auf der Suche nach dem Ausschnitt mit der schönsten Allee, den verwunschensten Ecken trieb es mich ins Innere des Geländes. Ich nahm ein paar Detailaufnahmen mit, stiefelte über viele Seitenwege und traf auch ab an jemand von den anderen, die sich inzwischen ebenso vereinzelt hatten. Fasziniert beobachtete ich einen Kollegen, der sein Stativ fast zur Gänze zum Boden absenkte. Ich habe ein noch kleineres Stativ zuhause für solche Aufnahmen, mit dem Mitgenommenen hatte ich das noch nie probiert. Aber siehe da mein Stativ kann das auch, ich danke für die Nachhilfe in der Handhabung der Kamerabeine und hoffe, dass in Zukunft niemand darüber stolpern wird, wenn ich mich entschließe diese einmal ganz auszubreiten.
Die Stunde war schnell vorbei, Zeit sich bei Willy das Stelldichein zu geben. Ein Blick auf den Plan: oh Mann, nein oh Frau, das war genau auf der gegenüberliegenden Friedhofsseite. Nun aber marsch marsch. Von wegen, so einfach walkt es sich nicht einfach gerade aus. Ich befand mich jetzt auf einer der Hauptalleen und dort waren sie: die schönsten Engel und die alten prachtvollen Familiengräber. Die konnte ich nicht einfach links und rechts liegen lassen. Fotomania ist mein Name. Und noch eines und noch eines. Ich nahm mit was die Zeit zu ließ, denn schließlich befand sich auch der Sensemann in Richtung Willy und der war ein "Muss". Als Wiesbadener werde ich vielleicht noch einmal nach Köln, aber so schnell nicht mehr auf Melaten kommen. Meine Sehnsucht Friedhöfe zu besuchen hält sich in normalen Grenzen. Ein Griff zum Handy: Luiza, wo seid ihr? Ich komme nach.
Das Motiv des Sensemanns, wie überhaupt die meisten Skulpturen, zwangen einem ein paar fotopraktische Überlegungen ab. Man muss sie leicht nach oben und gegen das Licht fotografieren und der meist sehr unruhige Blätter-Hintergrund ist ungünstig. Er lenkt von dem Motiv selbst ab und ist auf Fotos schwer zu bändigen ist. Lösen lässt sich das mit einer Spotbelichtungsmessung auf das Motiv, eventuell leichter Überlichtung. Einen ruhigeren Hintergrund schafft eine große Blendenöffnung, sprich kleine Blendenzahl, sie zeichnet den Hintergrund unscharf (Tiefenschärfe/Schärfentiefe), wenn auch Lichterflecken sich nicht ganz ausmerzen lassen. Den Rest macht die Nachbearbeitung. Wer will schaue sich einmal die Fotoline daraufhin an, dort ist die Problematik ganz gut zu erkennen, manchmal auch gut gelöst.
 
Weiter ging es über die andere Friedhofshälfte, viele Besucher waren da, gestört haben wir uns alle nicht. Meine Gruppe war für mich schon wieder im friedhöflichen Nebel entschwunden. Die Zeit schmolz dahin, dieser Tag hatte augenscheinlich nur 5 Minuten. An der Außenmauer entlang fand ich letztendlich auch zum Abschlusstreff mit Käsekuchen. Sehr lecker, dankeschön, "photowalken" macht äußerst hungrig.
Mein Fazit: Es war schön, es war kurz, eine Bereicherung ist der Austausch über Praktiken und Ausstattungstechnik, fotografieren muss jeder für sich. Gerne wieder, auch in Frankfurt oder Wiesbaden.
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Kommentare | 1 bis 19 von 19 Kommentieren
14.11.2010 | 21.23 Uhr | Spiegel jetzt erst?
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14.11.2010 | 12.37 Uhr | Profil gelöscht Nachtrag zu "photo walk", im Englischen schreibt man es jedoch korrekt in zwei Worten :)
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14.11.2010 | 12.33 Uhr | Profil gelöscht @Nelly,
stimmt, aber so ist es uns allen ergangen. :(
schönen Sonntag Dir
esprit
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14.11.2010 | 12.31 Uhr | Profil gelöscht Danke Anita,
du hast Recht, das "allein" überwiegt, das geht den meisten so, man kann schlecht als Gruppe auf den Auslöser drücken. In der Gruppe kann man aber hinterher Fotos und Arbeitsweisen diskutieren, was ich durchaus schätze.
 
Jetzt muss ich dem Wort "Photowalk" doch einmal beispringen. Im Gegensatz zu "Handy" ist es keine rein denglische Erfindung. Seine denglische Variante wäre "Fotowalk". Photography schreibt man im Englischen mit Ph. So haben wir es mit einem komplett englischem bzw. amerikanischem Begriff zu tun, der sich im deutschen Kontext eingesetzt merkwürdig anhört, das ist auch mein Empfinden. Eine deutsche Übersetzung wie z.b. Fotowandern gibt es nicht, da die Szene der Amateure, als auch der Profis in internationalen Photocommunities kommuniziert, man kommentiert und schreibt in Englisch.
 
Bekannt geworden ist der Begriff u.a. durch Scott Kelby's worldwide Photowalks, (sponsored by Adobe).
 
Gruß
esprit
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14.11.2010 | 12.12 Uhr | Nelly Fleckhaus Schade, dass wir uns nicht getroffen haben. Ich war so beschäftigt mit Melaten selbst, dass ich nicht fotografieren konnte.
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14.11.2010 | 11.59 Uhr | Anita Brandtstäter Hallo esprit,
 
schöner persönlicher Bericht vom ersten Photowalk - interessant alte Schreibweise für Foto kombiniert mit Denglisch ;-).
 
Scheint ja eine erfolgreiche Aktion gewesen zu sein dank lenormandcafe. Das „Allein“ überwiegt in Deiner Schilderung die „Gruppe“. Aber Gruppenfoto und Käsekuchen als Start und Ende machen sich gut. Und sonst wärst Du als Wiesbadenerin sicher nicht zum Melatenfriedhof gekommen! Oder?
 
Danke auch für den Link auf die KstA-Fotoline – den hätte ich sonst nicht gefunden!
 
Vielleicht interessieren Dich auch Fotos der „Konkurrenz“:
 
Eine animierte „Dia-Show“ zum Thema „200 Jahre Melaten“ habe ich gerade auf der Web-Präsenz des Magazins Kölner Bilderbogen – Rodenkirchen entdeckt.
 
Viel Freude beim Surfen
Anita
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12.11.2010 | 20.43 Uhr | Schuster Esprit,
excuse my peacepool forest pain
which - I'm so sorry - no duck in the rain
would match by the blogger's rather dry brain!
 
Not far from thy family tombs
is life award of the mournfull heart.
A light by their lives
from a distant world glooms
for your path confirming you smart.
 
Sincerely
ever yours
shoemaker's J
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12.11.2010 | 14.55 Uhr | Profil gelöscht kjaere köllealaaf,
ich hoffe doch nicht, dass du auf Friedhöfen zu Hause bist. Der Geist bin ich, du bist doch ein köllealaaf ;).
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12.11.2010 | 14.42 Uhr | Profil gelöscht @Schuster
hmm das war jetzt ein bisschen viel Friedwalk für mein schlichtes Gemüt. Ich habe den Sinn deiner kunstvoll arrangierten Sentenz nicht ganz erfasst. Als Brite würde ich mich dafür entschuldigen. Briten sind höfliche Menschen. Vielleicht liegt es aber auch am nahenden Wochenende, und am Memory Full Effekt meiner nativen Harddisk. Vielleicht ist auch nur die Software buggy, nein kein Burn-out, nur ein reboot, ich habe noch mal "Schwein" gehabt. ;)
 
Schönes WE
esprit
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11.11.2010 | 20.28 Uhr | Schuster Wenn man von Melaten wegbloggt, gerät man irgendwann in die Nähe vom Wald. Dort wird nicht gewalkt, sondern gesägt.
Nicht immer, aber doch schon mal.
Ist das Ganze aber ein Friedwald, wird Friedwalkgebloggt und keiner geht von selbst unfriedlich zurück nach Melaten. Dort stehen noch Kunstwerke, die im Friedwald nicht mehr auffindbar sind. Irgendwi kommt auch der Fotograf dann dort schneller zur Ruhe, zum Frieden. Wäre somit der falsche Ort für Esprit und dich.
Gruß Schuster
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10.11.2010 | 00.22 Uhr | köllealaaf Kjære esprit,
 
da sind wirklich eine Menge schöner Fotos zusammen gekommen.
 
Danke an alle Fotoblogger für das Stück Heimat via Pixel (ex Zelluloid).
 
Nein - Heimweh bekomme ich nicht (Schluchz, oder etwa doch?)
 
køllealaaf
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09.11.2010 | 13.54 Uhr | Profil gelöscht @Luiza, danke für das awarding ;) Hmm Stress, nein eher wie Zabaione es beschreibt, etwas hin- und hergerissen zwischen den Ereignissen.
Normalerweise geh ich alleine. Besonders in fremden Städten laufe ich gerne zu Fuß und nach Optik, dahin wo es mir interessant erscheint. Da entfernt man sich schon mal von Hauptwegen.
Würde mich interessieren wie das auf anderen Photowalks geht. Denn Fotografieren hat ja auch etwas Situationsbedingtes, Spontanes, nicht ganz Planbares.
 
Hallo Paula,
Es tut immer gut zu lesen, wenn etwas gefällt, danke Dir für den freundlichen Kommentar.
Naja das "denglisch" lässt sich in der Branche, aus der ich komme gar nicht vermeiden. Vom Layout über das Logo, den Body, den Claim, die Heads, den Browser, die Tags, den Flyer, den Blog .. ich höre jetzt besser auf, du wirst das wissen.
 
@Zabaione
ja, ich habe gehofft hier noch ein paar Kommentarberichte zu bekommen. Dann ging es dir ähnlich.
 
@koerbi
ja stell dir vor, ich hätte ein Foto nicht gemacht;) Catastrophe!
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08.11.2010 | 23.40 Uhr | Profil gelöscht Oh mein Gott! Ich habe gerade ein wenig gelitten, bei der Vorstellung Motive links liegen lassen zu müssen, um nicht den Anschluss zu verpassen. =:-o Aber ... man kann ja nicht alles haben ... oh je. ;-)
 
Schöne Schilderung! :-)
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08.11.2010 | 22.24 Uhr | Zabaione Hallo Esprit,

das ganze Event hat mich Anfangs etwas irritiert, fünf Fotografen an einem Objekt (mit ganz unterschiedlichen Blickwinkeln,Ausrüstungen und Kenntnissen) und viele Fotoapparate mit C am Anfang, bekannte und unbekannte Gesichter und überall Engel und gerade als wir dachten Nelly, die später dazu kommen wollte findet uns hier nie, da stand sie plötzlich vor uns und war direkt wieder weg.
Wir haben AnneB getroffen, und wieder verloren. Nette Nichtblogger (aus Überzeugung) und hinterher gab`s Käsekuchen und ein paar ganz brauchbare Ergebnisse trotz der Witterung.

Man kann so einen Tag wahrlich schlechter verbringen, soll heißen, es hat mir Spaß gemacht!
Das hast du gut beschrieben.
Lg
Zabaione
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08.11.2010 | 21.35 Uhr | Spiegel Danke für die Antworten!
 
Nun fehlt nur noch, dass Mia sich auch noch als "Fotobloggerin" outet! Denn aller guten Dinge ...
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08.11.2010 | 20.28 Uhr | Paula Hallo Esprit,
schön, dass Du Deinen Wünschen rund um das Fotografieren treu geblieben bist und Dich nicht zu sehr aufs „Walken“ (muss es denn immer denglisch sein?) konzentriert hast. Man sieht es an den Fotos auf Deiner Homepage, sie strahlen ein Stück Stimmung von Melaten aus und sind allesamt wunderschön. Du hattest einiges über Melaten gelesen, so warst Du nicht gänzlich unvorbereitet. Die Gesamtheit macht es auf diesem altehrwürdigen Friedhof, da hast Du Recht… nicht die einzelnen Gräber und Statuen, sondern die Stimmung „drumherum“. Die hast Du gut eingefangen.
Wer einmal eine gute Führung (es gibt sie auch in Kölscher Sprache oder als Literaturführung) auf Melaten mitgemacht hat, kommt noch näher an die Stimmung heran, die dort herrscht. Und wer z.B. an einem Werktag im November dorthin geht, erlebt eine völlig andere Atmosphäre als am Festtag „Allerhillije“.
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08.11.2010 | 20.21 Uhr | lenormandcafe WOW! Das hört sich nach Stress an:-)
Und ja: es war auf jeden Fall eine Bereicherung. Für mich war es auch der erste Walk mit völlig fremden Menschen, aber es hat Spass gemacht und nochmal JA: gerne wieder:-)
 
@Spiegel: der Fotoblogger/ die Fotobloggerin sind Menschen, die ein Weblog über Fotografie führen:-) (z.B. Esprit oder ich)
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08.11.2010 | 19.37 Uhr | Profil gelöscht eine Bloggerin die einen Fotoblog betreibt, Spiegel.
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08.11.2010 | 19.30 Uhr | Spiegel Was ist eine Fotobloggerin, esprit?
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